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Full text of "Die Zukunft des Buchgewerbes in Leipzig"

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DIE ZUKUNFT 



DES 



BUCHGEWERBES 



IN 



LEIPZIG. 




DRUCK VON BREITKOPF & HÄRTEL IN LEIPZIG. 1884 



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JUN 18 1920 



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VORBEMERKUNG. 



i\ls im Jahre 1883 die »Gesellschaft für vervielfältigende Künste in Wien« 
dort eine internationale Special-Ausstellung der graphischen Künste zu veranstalten 
beabsichtigte, erging seitens des königlichen Ministeriums des Innern in Dresden an 
die Leipziger Handelskammer die Aufforderung, in den betreffenden Kreisen 
Leipzigs Erkundigungen einzuziehen, in wie fern man in denselben zu einer Be- 
theiligung, eventualiter zu einer CoUectiv- Ausstellung bereit sei. 

In Folge dessen wandte sich die Handelskammer an die nach ihrer Ansicht 
competentesten Stellen: den Kreis »Sachsen« des deutschen Buchdruckervereins, 
den Verein Leipziger Buchdruckereibesitzer und die Typographische Gesellschaft 
in Leipzig. Die Ant\^'orten lauteten ablehnend ; einer der befragten Vereine hatte 
diese Ablehnung motivirt und zwar mit dem in Leipzig herrschenden Mangel 
eines künstlerischen Einflusses auf diejenigen graphischen Künste, deren Reprä- 
sentation in Wien gerade gewünscht werde, so dass thatsächlich kein Erfolg zu 
erwarten sei. 

Später (im November v. J.) bestimmte ein dem Ministerium vorgelegter Plan 
zu einer Unterrichtsanstalt für Buchdruckerlehrlinge seitens des von der Regierung 
nach Wien delegirt gewesenen Directors der Leipziger Kunstakademie Herrn Hof- 
rath L. Nieper das Ministerium des Innern, sich nochmals an die Leipziger Han- 
delskammer zu wenden, damit der Plan zur Kenntnis der betreffenden Kreise 
gebracht, zugleich diesen anheim gegeben werde, selbst weitere Vorschläge zur 
Beseitigung des von ihnen empfundenen Mangels des künstlerischen Einflusses 
auf die graphischen Künste und Gewerbe auszusprechen. 

Die erwähnten Vereins- Vorstände nahmen hieraus Veranlassung, unter dem 
6. December v. J. dem Ministerium des Innern in erster Linie die Erwerbung 

1* 



— 4 — 

der Klemm'schen Sammlung älterer Druckwerke aus Staatsmitteln und die Auf- 
stellung derselben in Leipzig als ein wichtiges Mittel zur Förderung der repro- 
ductiven graphischen Künste anzuempfehlen. 

Das königliche Ministerium erkannte in seiner RückäuOerung auf diese Eingabe 
(am 20. December V. J.) den großen Werth dieser Sammlung als graphisches 
Bildungsmittel und gab seine Bereitwilligkeit zu erkennen, sich in dieser Ange- 
legenheit mit dem Ministerium des Cultus ins Einvernehmen zu setzen, dabei 
jedoch die Ansicht aussprechend, dass die Aufstellung dieser Sammlung doch 
keineswegs ausreiche, um eine wirksame Förderung der graphischen Künste und 
Gewerbe herbeizuführen, insbesondere dass sie die Mittel nicht biete, um die 
Entwickelung der neuen Verfahrungsweisen der Reproduction, auf welche bei den 
ersten von Leipzig ausgegangenen Anregungen ein besonderer Werth gelegt 
wurde, einen fruchtbaren Boden zu schaffen. Das Ministerium erwarte daher vor 
weiterer Entschließung eine begründete Darlegung der Schwierigkeiten und Hin- 
dernisse, welche der weiteren Entwickelung der graphischen Künste in Leipzig 
zur Zeit entgegenstehen, sowie eine Schilderung der Umstände, durch welche in 
den gleichartigen Künsten andere Orte vor Leipzig einen Vorsprung gewonnen, 
und die Aufstellung eines ausführlichen Planes über die Mittel, durch welche der 
Stadt Leipzig der bisherige Vorrang in diesen Künsten und Gewerben erhalten, 
beziehentlich wieder gewonnen werden könne. 

Durch diesen neuen Beweis der bewährten Fürsorge der Staatsregierung für 
das Wohl des Druckgewerbes in Leipzig dem Ministerium dankbar verpflichtet, 
zugleich in Erkennung der vollständigen Richtigkeit der ausgesprochenen An- 
sichten, beschlossen die Vorstände der erwähnten drei Vereine dem Wunsch des 
Ministeriums nachzukommen, und betrauten den Schreiber Dieses mit der Aus- 
arbeitung einer ausführlichen Denkschrift, in welcher die Pläne näher entwickelt 
werden sollten, von deren successiver Ausführung man noch weitere Garantien, 
als die bereits vorhandenen, für die Fortdauer der hervorragenden Stellung Leipzigs 
in dem Buchgewerbe erwarten zu können glaubte. 

Diese Denkschrift wurde an Se. Maj. den König und an die Ministerien des 
Innern und des Cultus am 24. April d. J. übergeben. 

Seine Majestät der König, welcher bereits früher sich höchst beifällig über 
den Plan der Erhaltung der Klemm'schen Sammlung für Sachsen ausgesprochen 
hatte, wiederholte, als der diesjährigen Cantate-Ausstellung die hohe Ehre seines 
Besuches zu Theil wurde, diese ermunternden Aeußerungen. Das königliche Mini- 
sterium des Innern hatte sich vom Beginn ab der Angelegenheit mit einem Eifer 
angenommen, welcher Anspruch auf die dankbarste Anerkennung des gesammten 
Buchgewerbes hat und nach vorausgegangenen schriftlichen und persönlichen 
Erörterungen und nachdem der Minister des Innern Herr von Nostitz-Wallwitz 



— 5 — 

ebenfalls die Ausstellung mit seinem Besuch beehrt hatte, wurde am 6. Juni d. J. 
der Vorsitzende des Kreises »Sachsen« des deutschen Buchdruckervereins, Herr 
Dr. Oscar Hase (in Firma Breitkopf und Härtel) dahin beschieden : das Ministerium 
des Innern werde die Erwerbung der Klemm'schen Sammlung für den Staat bei 
Aufstellung des nächsten Staatshaushaltungsplanes mit in Erwägung nehmen, sehe 
aber zunächst einem Invcntarium der Sammlung entgegen, auf Grund dessen eine 
sachverständige Abschätzung vorgenommen werden könne, und überlasse es dem 
Vorstande des Kreises »Sachsen« des deutschen Buchdruckervereins, selbst einige 
Sachverständige in Vorschlag zu bringen. 

Hiermit ist seit der Abfassung der Denkschrift ein höchst wichtiger Schritt 
vorwärts bereits geschehen. Ein zweites Moment, ebenfalls von großer Bedeu- 
tung, welches in der Denkschrift nur als eine Hoffnung ausgesprochen werden 
konnte, ist seitdem Thatsache gieworden, indem die Cantate- Versammlung des 
»Börsenvereins der deutschen Buchhändler« einstimmig den Beschluss fasste, »den 
Börsenvorstand zu ermächtigen, in Verbindung mit dem Verwaltungsausschusse 
einleitende Schritte zum Bau einer neuen Buchhändlerbörse zu unternehmen und 
insbesondere mit dem Rath der Stadt Leipzig über geschenkweise Ueberlassung 
eines geeigneten Bauplatzes in Verhandlung zu treten, eventuell die Schenkung 
eines solchen Namens des Vereins anzunehmen«. Dieses Vorhaben findet, wie nicht 
anders zu erwarten war, die volle Sympathie der obersten Stadtbehörden Leipzigs 
und sind die Einleitungen zu einer Vereinigung bereits im Gange, deren Resultate 
sicherlich beiden Theilen zur Ehre gereichen werden. Die Vorlage in Betreff des 
Börsenbaues betont ausdrücklich, dass dieser besonders wegen Raummangels für 
die in der Denkschrift behandelten Institutionen nothwendig werden würde, und 
legt dabei ein besonderes Gewicht auf die Aufnahme des beabsichtigten Museums 
für die graphischen Künste. 

Als ein dritter, ebenfalls die beabsichtigten Pläne fördernder Umstand muss 
die in der Denkschrift als bevorstehend erwähnte, inzwischen erfolgte Verlegung 
der jährlichen Aufstellung aus der Buchhändlerbörse in den Krystallpalast betrachtet 
werden, indem hierdurch der in Aussicht genommenen Erweiterung der regel- 
mäßigen Ausstellungen bedeutender Vorschub geleistet wird. 

Somit liegen die Verhältnisse für die Inangriffnahme der anzustrebenden Re- 
formen so günstig, wie nur möglich und Leipzig erscheint mit diesen nicht als 
ein im Rückgang befindlicher Druckort, der nach einem Strohhalm greift, um 
sich zu halten, sondern als ein Platz ersten Ranges, der, obwohl sich seiner Kraft 
bewusst, durch seine ruhmvolle , Stellung sich nicht blenden lässt, sondern mit 
den möglichen Wechselfällen der Zukunft rechnet. 

Deshalb dürfte es jetzt, nachdem die Vorarbeiten im engeren Kreise zu Ende 
sind, an der Zeit sein, nicht nur an den weiten Kreis der Fachgenossen des 



— 6 — 

ganzen Buchgewerbes, sondern auch an die Gesammtheit unserer Mitbürger, welche 
sich stets von dem lebhaftesten Interesse für Alles beseelt zeigt, was dem Wohle 
und dem Ruhme der Stadt dient, heranzutreten, um ihre Sympathie und Mit- 
wirkung zu gewinnen. 

Zu diesem Zweck wird die in sehr wenigen Exemplaren als Manuscript ge- 
druckte Denkschrift: »Die Zukunft des Buchgewerbes in Leipzig« hier- 
mit ihrem vollen Inhalt nach dem größeren, mehr oder weniger betheiligten 
Publikum vorgelegt. Einige Weglassungen, Zusätze und Umstellungen berühren 
durchaus nicht das Wesen der Sache, sondern sind nur darin begründet, dass 
die folgenden für die Oeffentlichkeit bestimmten Blätter der Form einer an eine 
bestimmte Behörde gerichteten Schrift entkleidet wurden. 

Leipzig, im Juli 1884. 

Carl B. Lorck. 



I. Ein Rückblick und dessen Resultate. 

JL/ie Umstände, welche das allmähliche Herausbilden Leipzigs zum Haupt- 
stapelplatz des Bücherverkehrs und zum wichtigsten Druck- und Verlagsorte 
Deutschlands förderten, haben sich im Laufe der Zeit so wesentlich, und zwar 
zum Vortheil des Ganzen, jedoch nicht gerade zu Gunsten Leipzigs, geändert, 
dass wir, vor die ernste Prüfung und aufrichtige Beantwortung der Fragen 
gestellt : 

»Steht die graphische Kunst in Leipzig auf einer, dessen 
höherer Stellung in dem Buchgewerbe angemessenen Stufe? 
Und wenn nicht, durch welche Mittel ist es möglich, 
Leipzig den altbewährten Ruf einer ersten Druckstadt zu 
erhalten und ihn für alle Zeiten zu befestigen?« 
zuerst einen Blick auf die Vergangenheit werfen müssen. 

Das gänzlich umgestaltete Verkehrswesen hat verursacht, dass die Buch- 
händlermessen längst aufgehört haben Waarenmessen zu sein, welche das ganze 
Geschäft regeln. Die Cantatemesse ist jetzt weiter nichts als ein Abrechnungs- 
termin , und nur der Umstand, dass der »Börsenverein der deutschen Buchhändler« 
seinen Sitz in Leipzig hat, giebt Veranlassung, dass eine, jedoch immer kleiner 
gewordene Zahl von Buchhändlern auf eine immer knapper abgemessene Zeit 
sich alljährlich in Leipzig versammelt. Ihre centrale Lage hat die Stadt zwar 
nicht einbüßen können, jedoch haben die selbst große Entfernungen factisch 
aufhebenden Eisenbahnen, die commerzielle und politische Einigung Deutsch- 
lands, die billigen und einheitlichen Portosätze und sonstige postalische Er- 
leichterungen, der bequeme directe Zahlungsverkehr, die Gleichmäßigkeit der 
Pressgesetzgebung und des literarischen Eigenthumsrechts u. A. m. die Vortheile 
einer centralen Lage und der früher sprichwörtlich gewordenen milden Praxis 
der Regierung in mancher Hinsicht abgeschwächt. 

Hierdurch ist in gewisser Beziehung ein Rückgang des buchhändlerischen 
Commissions-, resp. Speditionsgeschäfts bedingt. Dasselbe kann nur unter großen 
Anstrengungen durch seine vortreffliche innere Organisation, durch die bedeu- 
tenden in diesem Zweige arbeitenden Geldkräfte und durch die enorm wachsende 
Zahl der Committenten (jetzt über 5000, von denen freilich manche nur die 



— 8 — 

Zahl vermehren) durch die Quantität dasjenige einholen, was an Qualität der 
einzelnen Verbindungen verloren gegangen ist. 

Wir sehen deshalb auch das Leipziger bibliopolische Commissions- (resp. 
Bank-) Geschäft sich immer mehr und mehr in wenige großartige Etablissements 
concentriren, so dass jetzt das Commissionsgeschäft hauptsächlich in den Händen 
von etwa zwanzig der 400 Firmen Leipzigs ruht, während unter den zwanzig 
wieder vier allein gegen 1500 auswärtige Buchhandlungen vertreten. 

Diese Wandlungen in dem Commissionsgeschäfte sind jedoch so naturgemäß 
und beruhen so sehr auf einer gesunden Ent^vickelung der ganzen Verhältnisse, dass 
eine Aenderung hierin weder durch den Buchhandel selbst, noch durch den Staat 
herbeigeführt werden kann. Was oben zu Ungunsten des Leipziger Commissions- 
geschäfts gesagt wurde, oder was noch gesagt werden könnte, würde ebenfalls 
für jeden anderen centralen Verkehrsplatz gelten. Auch die Klagen, die mitunter 
gegen Leipzig laut werden, »es lebe auf Kosten der Auswärtigen, es schütze 
deren Interesse nicht genug«, weil es nicht im Stande ist, die Nachtheile ganz zu 
beseitigen, welche die sich selbstverständlich an dem Centralplatze ansiedelnden 
»Schleuderer« dem auswärtigen Sortimentshandel zufügen, würden sich gegen jeden 
Commissionsplatz richten, er möge einen Namen haben, welchen er wolle. Einen 
wirklich gültigen Grund, um einen Tausch zu versuchen und Leipzig als Central- 
punkt aufzugeben, in welchem der Buchhandel sich stets heimisch gefühlt hat, wo 
er, namentlich durch weitgehendes Entgegenkommen der königlich sächsischen 
Regierung, sein eigenes Heim schon nahe an fünfzig Jahre besitzt, anzuführen, 
würde kaum möglich sein. Deshalb steht wohl zu erwarten, dass, trotz einer sich 
hie und da kundgebenden Missstimmung, die Worte, welche der hochangesehene 
Berliner Verleger, Carl Duncker, unter allgemeiner Zustimmung bei der Einweihung 
der jetzigen Börse im Jahre 1836 sprach: »So kamen wir hierher! Hier sind wir! 
Hier wollen wir bleiben ! « auch bei der Einweihung des in der Cantate-Ver- 
sammlung d. J. beschlossenen Börsen-Neubaues ihre volle Geltung behalten werden. 

Eine Gefahr könnte allerdings dann entstehen, wenn Leipzig seiner hohen 
Bedeutung als Verlagsort und seines bewährten Rufes als Druckstadt durch eigenes 
Verschulden oder durch die Macht der Verhältnisse verlustig gehen sollte; denn 
der Sitz des centralen Verkehrs kann nur eine Stadt sein, die selbst durch die 
eigene Productivität ein großes materielles und moralisches Gewicht auf die ge- 
schäftliche Wage legen kann. 

Hierin liegt der Schwerpunkt für Leipzigs zukünftige Stellung. Seine Bedeu- 
tung als Verkehrscentrum hängt jetzt weniger von seiner geographischen Lage 
und anderen äußeren Umständen ab, als von seiner eigenen Druck- und Verlags- 
thätigkeit. Deshalb ist die Frage der Staatsregierung ernstlich zu prüfen : »Nimmt 
Leipzig hierin noch einen ersten Platz ein und wird es ihn behaupten können? 
Wenn nicht, welches sind die Ursachen?« 

Auch hier kann nur ein Rückblick auf die Vergangenheit uns über den 
Augenblick und dia Wahrscheinlichkeit für die Zukunft genügend orientiren. 

Bekanntlich hatte Leipzig bereits mit dem Anfang des xvil. Jahrhunderts 
die Führung in dem Bücherverlag. Die Druckereien nahmen einen demselben 
angemessenen Aufschwung, und um das Jahr 1750 besaß die Stadt in der Breit- 
kopf sehen Officin eine Druckanstalt, die ohne Rivalin dastand. Der Süden 



— 9 — 

hatte seine Bedeutung für das Buchgewerbe verloren, der Norden eine solche 
noch nicht gewonnen. Die Wichtigkeit Berlins als Druckort stieg erst mit der 
zunehmenden Machtstellung des Königreichs Preußen, ja hielt längere Zeit hin- 
durch nicht einmal mit derselben Schritt. Wien seufzte unter einem jede freiere 
Bewegung der Presse hemmenden Druck; Stuttgart hatte nur durch die Cotta- 
sche Verlagshandlung Bedeutung und schädigte seinen Ruf durch den im großen 
Maßstab dort wie überhaupt in Württemberg geübten Nachdruck. 

Somit wurde es dem gut vorbereiteten Leipzig nicht gar zu schwer, durch 
Intelligenz und Tüchtigkeit seiner Verleger und Drucker die Superiorität zu be- 
haupten und den in den 3oJahren eingetretenen Umschwung sowohl in den 
technischen Mitteln der Typographie als in den Presszuständen in tüchtiger Weise 
rasch auszunutzen. Der eigene Verlag ward iraimer bedeutender und massenhafte 
Aufträge von außen strömten den allen anderen vorausgeeilten Druckereien in 
Leipzig zu. Somit konnte es das Gutenbergfest 1840 in seinem höchsten Glanz 
als Vorort des Buchgewerbes feiern. 

Jedoch die Errungenschaften der Technik und die freiheitliche Bewegung der 
Presse blieben auch nicht auf lange Zeit von anderen Orten unbenutzt. Nicht 
allein die größeren Emporien Wien, Stuttgart, Berlin machten bedeutende Fort- 
schritte, sondern selbst in kleineren Orten entstanden umfangreiche Druckanstalten, 
oder bereits bestehende wurden erweitert und vervollkommnet und lieferten viele 
Druckarbeiten, die sonst Leipzig zugefallen wären. So verschwand mehr und mehr 
der so bedeutende Abstand in den Leistungen zwischen Leipzig und anderen 
Druckorten, welcher noch im Jahre 1840 vorhanden war. Nachdem Leipzig, den 
anderen voran, erst die hohe Stufe erklommen hatte, waren seine weiteren Fort- 
schritte natürlich nicht so bemerkbar als damals, wo Alles ringsum theils noch in 
Urzuständen lag, theils wenigstens in der Entwicklung zurückgeblieben war. In- 
folge dessen glaubten nun viele von denen, welche die raschen Fortschritte der 
Zurückgebliebenen sahen, »Leipzig steht still« oder gar »Leipzig geht zurück«. 

Für Wien war der Ausspruch, dass ein dort gedrucktes Buch gleich einem 
schlecht gedruckten sei, schnell verjährt. Der Director der k. k. Staatsdruckerei, 
Alois Auer, hatte mit dieser Anstalt, wenn auch unter großen Opfern für den 
Staat, Oesterreichs Buchdruckern den Weg gezeigt, dem diese willig folgten. Die 
Verlagsthätigkeit hob sich unter freieren Press- und besseren Druckzuständen. 
Wien hat seit jener Zeit nicht nur Tüchtiges, sondern vieles Vortreffliche sowohl 
im Werk- wie im Accidenzdruck aufzuweisen und steht in dem xylographischen 
Buntdruck und der Zinkographie obenan. Mit alledem wird es schwerlich Leipzig 
eine schädigende directe Concurrenz als Druck- und Verlagsort bereiten, wenn 
auch die österreichischen Druckaufträge seltener in Leipzig geworden sind, ja 
sogar vereinzelte Werke Leipziger Verlags in Wien gedruckt wurden, welches in 
den ostasiatischen Schriftgattungen das Uebergewicht gewonnen hat und in dieser 
Richtung nicht unbedeutende Druckaufträge nach dem Auslande ausführt. 

In Stuttgart warfen sich tüchtige und energische Buchhändler, in liberaler 
Weise von dem Capital unterstützt, was in Leipzig keineswegs der Fall war, auf 
die in Paris sich überstürzenden illustrirten Werke und schmückten ihren Verlag 
erst durch französische Cliches, dann durch Originale. So entstand eine Reihe 
von Werken namentlich auf dem Gebiete der Länder- und Völkerkunde, der 
Geschichte und des Kunstgewerbes, die, wenn auch nicht immer inhaltlich von 

2 



— 10 — 

bleibendem Werth, doch fast alle hinsichtliph der künstlerischen Ausstattung und 
des vorzüglichen Druckes unumwundenes Lob verdienen. Werke wie z. B. Ebers' 
»Egypten« müssen geradezu als Musterleistungen unseres Jahrhunderts gelten. 
Dieser Zweig graphischer Thätigkeit ward fast ein Monopol fiir Stuttgart, und 
Leipzig wurde in der Masse solcher Erzeugnisse von ihm überflügelt. Die Masse 
imponirt aber immer, und so schloss man ohne Weiteres von dem einen Zweig 
auf das Ganze und sprach es rasch aus, »dass Stuttgart Leipzig in der Typo- 
graphie überholt habe«. In letzterer Stadt wurden indessen auch sehr viele und 
tüchtige illustrirte Werke gedruckt, jedoch mehr für fremden als für den eigenen 
Verlag, sie konnten sich deshalb dem Publikum nicht als compacte Masse zeigen 
und machten nur einen kleinen Theil der gesammten Druckthätigkeit aus. In 
allen anderen Zweigen, namentlich dem encyclopädischen und wissenschaftlichen, 
besonders dem orientalischen Druck, zeigte und zeigt Leipzig seine große Ueber- 
legenheit, und der eigene Verlag sowohl als die zahlreichen Aufträge nicht nur 
aus Deutschland, sondern aus dem ganzen europäischen Auslande, selbst aus 
Amerika, sprechen laut daiiir, dass Leipzig factisch eine Weltdruckstadt ist, der 
den Rang abzugewinnen nicht so leicht sein dürfte. 

Berlin war der Platz, von welchem Leipzig die größten Gefahren als Vorort 
drohen konnten. Dort entwickelte sich, ganz abgesehen von der Zeitungsliteratur, 
von welcher Leipzig von jeher nur schwache Spuren aufzuweisen hatte, eine immer 
steigende Pressthätigkeit. Namentlich musste die Unterrichtsliteratur, die Staats- 
und Rechtswissenschaft, die Militair- und Ingenieurwissenschaft in dem großen 
Mittelpunkt eines bedeutenden Staatswesens, welches der Verlagsthätigkeit für seine 
Zwecke bedurfte, ganz anders gedeihen als in der Provinzialstadt eines mittleren 
Staates; ja, selbst solche Zweige der Literatur, welche großartige Anstalten und 
Sammlungen als natürliche Unterlagen nöthig haben, z. B. Medicin, Naturwissen- 
schaften und die bildenden Künste, fanden in der Hauptstadt des bedeutendsten 
deutschen Staates einen mächtigen Vorschub, den Leipzig nicht gewähren konnte. 

Trotz alledem blieb Leipzigs Production der Berlins überlegen ; erst als Berlin 
Reichshauptstadt und Millionenstadt geworden, hat es Leipzig in der Zahl der 
Erscheinungen, wenn auch nur mit einer kleinen Ziffer, überholt. Wäre es jedoch 
möglich, die Erscheinungen, so weit sie nicht dem eigentlichen Kunstfach ange- 
hören, nach dem Umfange und der Auflage genau zusammenzustellen, so dürfte 
sich immer noch ein nicht unbedeutendes Plus zu Gunsten Leipzigs zeigen. Hin- 
sichtlich der Druckleistungen stand Berlin noch vor wenigen Jahren beträchtlich 
zurück ; der illustrirte Druck war so gut wie nicht gepflegt und der Accidenzdruck 
nicht auf der Höhe der Zeit. Jetzt allerdings ist dies schon wesentlich anders 
geworden, und auch die Reichsdruckerei wird unter Mitwirkung der künstlerischen 
Capacitäten, welche sie an sich zu ziehen verstanden hat, einen fördernden Ein- 
fluss üben*). 

Es wäre Thorheit, die Augen dafür verschließen zu wollen, dass Berlin mehr 
und mehr der Sammelpunkt journalistischer, wissenschaftlicher und künstlerischer 



*) Unter Umständen könnte der Einfluss auch ein nachtheiliger werden , falls man, wozu sich 
einige Neigung in maßgebenden Kreisen bemerkbar macht, nach dem bösen Beispiel in Wien das 
Experiment in Berlin wiederholen sollte, auf Kosten des Reiches und der Druckgewerbtreibenden aus der 
Werlhpapierdruckanstalt des Reiches eine anscheinend reichlich melkende Kuh machen zu wollen. 



— 11 — 

Kräfte, welche das Druckgewerbe nach Quantität und Qualität immer vorwärts 
treiben werden, selbst wenn die direct Betheiligten weniger intelligent und thätig 
wären, als es der Fall ist, Leipzig zu den größten Anstrengungen anspornen 
muss. Es darf nicht in den Zweigen, wo es noch das Uebergewicht hat, ruhig 
stehen bleiben, noch weniger zögern in denjenigen, wo seine Fortschritte nicht 
genügend waren, Versäumtes nachzuholen. Letzteres gilt namentlich in Betreff 
der Schwesterkünste der Typographie, mit Ausnahme der Xylographie. Der 
Kupferstich, die Farbenlithographie, die Hochätzung, besonders alle Abzweigungen 
der Photographie sind von Beginn ab wenig in Leipzig beachtet worden, und 
noch heute ist es, mit einigen rühmlichen Ausnahmen, in diesen Künsten hier 
nur schwach bestellt. Und was vollends die zeichnenden Künste für die Zwecke 
des Buchgewerbes anbetrifft, so befindet sich Leipzig in einem fast vollständigen 
Abhängigkeitsverhältnis von anderen Orten, und es haben leider die oben citirten 
Worte des Vorstandes des Kreises Sachsen, die den eigentlichen Impuls zu der 
Denkschrift an die Regierung gaben: »Es fehlt hier der künstlerische 
Einfluss auf die graphischen Gewerbe«, vollste Gültigkeit. 

Die Lithographie fand nicht nur in ihrem Geburtsort München, sondern 
auch in Berlin, Dresden und Wien freundliche Aufnahme und willige Verleger für 
ihre Erzeugnisse; die Radirung wurde in Wien besonders gefördert; die Chro- 
molithographie blühte in Berlin und Wien und wurde selbst in dem Städtchen 
Wandsbeck zur Meisterschaft gebracht. Die Kartographie hatte ebenfalls in 
der kleineren Mittelstadt Gotha eine weltberühmte Pflanzstätte; die Photographie 
und der Lichtdruck wurden nicht nur in den großen Druckstädten mit Erfolg 
geübt, sondern das unbedeutende Dornach in Elsass besitzt ein photographisches 
Weltinstitut, ja selbst in dem Bergflecken Einsiedeln in der Schweiz werden gra- 
phische Reproductionsweisen in großer Vollendung geübt. Das Alles beweist, 
dass es für diese graphischen Verfahren nicht nöthig ist, einen Kunstplatz ersten 
Ranges hinter sich zu haben, sondern dass Verleger- und Drucker-Energie manche 
Schwierigkeiten überwindet. 

Auch der Vorwurf trifft wohl nicht ganz mit Unrecht Leipzig, dass es ungern 
mit der Einführung neuer Erfindungen der Mechanik vorangeht. Man wartet 
ziemlich ruhig ab, bis diese sich anderswo bewährt haben, und liefert inzwischen 
die Arbeiten zwar zufriedenstellend, jedoch nach etwas schwerfalliger alter Me- 
thode. Musste doch schon Friedrich König mit seinen Bemühungen für die Ein- 
führung der Schnellpresse in Leipzig ziemliche Geduld haben ! Liegt nun auch 
darin eine in gewisser Hinsicht löbliche Vorsicht, so hat doch der Vorort die 
Pflicht, in solchen Fällen nicht zu lange auf sich warten zu lassen. 

Will Leipzig auf die Dauer siegreich oder ebenbürtig in einem Kampfe mit 
der Reichshaupt- und Weltstadt bestehen, so ist die fürsorglichste Aufmerksam- 
keit, verbunden mit Entschlossenheit und rastlosem Vorwärtsschreiten geboten. 
Es darf keinen Augenblick mit der Einsetzung seiner ganzen Kraft und mit der 
Schaffung derjenigen Institutionen zögern, welche darauf zielen, Leipzigs Stellung 
als Vorort zu sichern. Da aber hierbei nicht einseitig der Vortheil einzelner ge- 
werbtreibender Persönlichkeiten, sondern auch die allgemeinen Interessen der Stadt 
und des Staates ins Auge zu fassen sind, müssen die Fachgenossen auch auf den 
bereitwilligsten Beistand der erwähnten beiden Factoren rechnen können. 



— 12 — 

Als solche Institutionen bezeichnen wir 

1. Ein Museum ersten Ranges für das Buchgewerbe, verbunden 
mit einer ebenbürtigen Fachbibliothek nebst Lesezimmer und kleineren 
belehrenden wöchentlichen Ausstellungen mit Vorträgen tüchtiger Lehrer. 

2. Eine höhere graphische Fortbildungsanstalt (Academie) für 
Ausgelernte oder in Bildung genügend Vorgeschrittene, daneben Fach- 
unterricht für Lehrlinge. 

3. Sorgsame Pflege des Ausstellungswesens, zunächst in Anschluss 
an die von dem »Börsenvereine der deutschen Buchhändler« unternommenen 
jährlichen Ausstellungen mit der Erzielung praktischer Erfolge vor Augen. 

4. Begründung eines Vereins von Angehörigen der Buchgewerbe im 
weitesten Sinne des Wortes in Leipzig, also : Buchdrucker, Schriftgießer, 
Ausübende der graphischen Schwesterkünste, Papier-, Farbe- und Ma- 
schinenfabrikanten, Buchbinder u. s. w., zur Förderung der sub i — 4 er- 
wähnten Zwecke. 

Es wird unsere Aufgabe sein, diese Institutionen in dem Folgenden näher zu 
beleuchten und zu motiviren. 



IL Ein Museum für das Buchgewerbe. 



Ein dem Vorort . des Buchgewerbes würdiges Fachmuseum hat einen doppelten 
Zweck zu erfüllen ; es soll nicht allein die Illustration zu der Geschichte der Buch- 
druckerkunst liefern, sondern uns auch die besten Erzeugnisse der Presse bis auf 
den heutigen Tag vorführen, welche als Muster für tüchtiges künftiges Schaffen 
dienen können. • 

Dieser Doppelaufgabe gemäß muss das Museum, so weit es noch thunlich 
ist, uns zuerst die Fortschritte in dem technischen Apparat vor Augen fuhren; 
wo dies nicht mehr angeht, sei es, dass die Gegenstände nicht mehr vorhanden 
sind, sei es, weil der Raum die Vorführung nicht zulassen würde, muss durch 
zweckmäßige Modelle eventuell durch Zeichnungen Ersatz geschafft werden. 

Welches hohe Interesse würde es bieten, eine Druckerpresse aus einer der 
ersten Mainzer Officinen zu besitzen, nur ein Dutzend der Millionen Typen vor 
sich liegen zu haben, die in den ersten zehn Jahren der Kunst gegossen wurden, nur 
ein einziges Gießinstrument, welches dabei benutzt wurde, sein nennen zu können ! 
Welche geschichtliche Belehrung ließe sich daraus schöpfen, während die vielen 
Werke, die uns Kenntnis von dem Zustande der ersten Druckereien geben wollen, 
uns am Ende ziemlich so klug lassen, wie wir am Anfange waren! 

Jedoch nicht nur die Kenntnis solcher ältesten Beweisstücke fehlt uns, es wird 
keine gar zu lange Zeit vergehen und nur die allerwenigsten Gutenbergsjünger 
werden wissen, wie die hölzerne Handpresse in dem Zustande ausgesehen hat, wie 
sie noch bis tief in das erste Drittel unseres Jahrhunderts hinein allgemein im 
Gebrauch war, selbst die Construction der ersten eisernen Handpresse des Lord 
Stanhope, die Beschaffenheit der Druckballen, eines älteren Stereotyp-Apparates 
oder eines Hand-Gießinstrumentes werden den meisten bald unbekannt sein. 

Zwar giebt es keine Möglichkeit in Deutschland, eine dem Plantin-Museum 
in Antwerpen, welche mit einem Opfer von i Million Franken seitens der Stadt 
und einer weiteren Beihülfe seitens der Regierung Eigenthum der Stadt geworden, 
gleiche oder auch nur nahekommende typographische Schatzkammer zu beschaffen, 
jedoch ließe sich wohl noch genügendes Material zusammenbringen, um ein be- 
lehrendes Arbeitsbild aus älterer Zeit vorzuführen, wenn man eifrig danach sucht. 

Welche Bücher- und Bilderschätze lagen in den Rumpelkammern begraben 
und finden sich, trotz des eifrigen Durchwühlens aller Winkel durch Liebhaber, 
Händler oder Räuber aller Art, doch noch heute vor ! Welche kostbare Reliquien 
aus uralter Zeit ruhten in der Erde verborgen oder wurden, wenn man auf sie 



— 14 — 

stieß, als unnütze Steine oder als altes Metall auf den Haufen geworfen, bis ein 
durch allgemeine Aufrufe an den Patriotismus oder durch Anbieten von Beloh- 
nungen hervorgerufenes, systematisches Suchen nach und nach die Säle der 
historischen Sammlungen mit reichen Funden füllte. So wird sicherlich auch 
manches von typographischem Standpunkte aus Interessante noch auf alten Böden 
und in alten Kellern aufzufinden sein, wo solches unbeachtet in Staub zerfällt 
oder vermodert. Die bedeutenden Funde des Buchdruckers Louis Perrin in Lyon 
und die Seltenheiten in der Sammlung des Hauses Enschede in Haarlem be- 
weisen dies. 

Man möge nur das Interesse für das Auffinden wachrufen! Gerade weil 
Jedermann ohne große Mühe und Opfer ein Förderer des Museums werden kann, 
steht zu hoffen, dass Manches aus alter Zeit sich noch retten lässt. Und selbst 
aus der verhältnismäßig jüngeren Zeit, wie manches Belehrende giebt es nicht da 
zu sammeln und für alle Zukunft zu bewahren? Mit welcher Theilnahme würde 
man ein Modell von Friedrich König's erster unvollkommenen, bereits 1804 in 
Suhl construirten hölzernen Schnellpresse betrachten? Wie gern würde man die 
Fortschritte der Stereotypie durch die verschiedenen Phasen in den Erzeugnissen 
W. Ged's, Ign. Hoffmann's, Gabriel Valleyre's, Herhan*s und Pierre Didot's ver- 
folgen? Wie interessant wäre die nähere Prüfung der Leistungen des Musiknoten- 
und des Landkartendruckes in den noch wohlerhaltenen Satzformen J. G. J. Breit- 
kopfs, der ersten Proben der verschiedenen Systeme des Blindendruckes etc. 
Einen Katalog des Museums im Voraus abzufassen, wäre nicht gar zu schwer; 
es würden aber Bogen dazu gehören. 

Hier muss jedoch ohne Zögern Hand ans Werk gelegt werden, denn jedes 
verschwindende Jahr schmälert die Aussicht auf den Erfolg, und es gehören Jahre 
des Nachspürens und des Sammeins dazu, ehe man mit einem einigermaßen ab- 
gerundeten ersten Erfolg hervortreten kann. Auch darf nicht übersehen werden, 
dass der Gedanke des Sammeins sich in der letzten Zeit an verschiedenen Orten 
regt. In Wien ist sogar ein sehr ansehnliches Comite zur Bildung eines Museums 
zusammengetreten. Selbst einzelne der typographischen Gesellschaften nähren 
Museumsgedanken, wenn auch nach einem kleineren Maßstabe. Je größer aber 
die Zahl der Sammler, je größer wird die Schwierigkeit des . Erlangens. Vor 
Allem gehörte es zur Aufgabe Leipzigs, einen allgemeinen Aufruf an das gesammte 
Fachpublikum zu erlassen, namentlich an die Besitzer älterer Officinen, »sie möchten 
es sich angelegen sein lassen, eifrigst nachzuforschen nach einzelnen etwa noch 
vorhandenen Gegenständen von Interesse, um solche der Allgemeinheit zu erhalten«. 

So wenig man nun berechtigt ist, auf die älteren technischen Apparate als 
auf Curiositäten verächtlich herabzuschauen, so wichtig sie im Gegentheil für einen 
der Zwecke des Museums sind : Licht auf die Vergangenheit zu werfen , so treten 
sie doch an Bedeutung zurück gegen die durch sie erzielten Druck-Erzeugnisse 
von Gutenberg ab und bis auf den heutigen Tag. 

Selbstverständlich richten sich, so oft von einem graphischen Museum die Rede 
ist, die Blicke zuerst auf jene ehrwürdigen Denkmäler, welche uns der Altmeister 
selbst sowie seine Theilnehmer und deren nächste Nachfolger hinterließen, die man 
mit dem Namen )Wiegendrucke(( bezeichnet und allgemein als größte Schätze der 
öffentlichen Bibliotheken betrachtet. Eben so oft musste aber der Gedanke, das- 
selbe mit solchen Schätzen zu beginnen, zurückgewiesen werden. Woher sollten 



— 15 — 

• 

die Mittel kommen, um sie zu erwerben? Und, selbst wenn diese da wären, wie 
sollte es möglich werden, eine systematisch angelegte Sammlung der bedeutendsten 
Incunabeln in einem nicht gar zu langen Zeitraum zusammenzubringen ? Es schien 
deshalb fast kein anderer Ausweg möglich, als mit den Schlusssteinen anzu- 
fangen und die Aufmerksamkeit und die Kräfte zuerst nur auf die Erwerbung 
leichter zugänglicher und ohne übermäßige Kosten erreichbarer Gegenstände zu 
richten ; mit anderen Worten, sich mehr auf eine reine Mustersammlung für den 
praktischen Gebrauch zu beschränken, als auf die Gründung eines großen, von 
einem idealeren Standpunkt aus aufgefassten Museums hinzuarbeiten. 

Haben nun auch diese Schlusssteine eine große Bedeutung für die alltägliche 
Praxis, so müssen wir doch den Besitz einer reichen Incunabeln-Sammlung vom 
höheren Gesichtspunkte aus, der für den vorliegenden Fall doch der einzig leitende 
sein darf, für durchaus nothwendig halten, soll überhaupt etwas wirklich Bedeuten- 
des und Bleibendes nicht nur für Leipzig, sondern fiir das ganze deutsche Buch- 
gewerbe geschaffen werden. Hier ist eine Vereinigung des historisch Wichtigen 
und Lehrreichen mit dem für die Praxis direct Nützlichen geradezu eine unerläss- 
liche Nothwendigkeit, wenn man etwas Ganzes schaffen will. 

Würde man wohl bei einer bedeutenden öffentlichen, der Ausbildung der 
Künstler gewidmeten Gemäldesammlung daran denken, diejenigen Werke, welche 
der Periode der höchsten Blüthe der Kunst vorausgingen, auszuscheiden, weil 
sie Mängel in der Technik, in der Perspective, in dem Colorit aufweisen oder weil 
wir die alten Künstler in ihrer Naivetät der Auffassung heut zu Tage nicht direct 
als Vorbilder wählen können ? Ist es nicht ein genügender Gewinn, wenn die Jetzt- 
lebenden die Begeisterung, die Vertiefung in den Stoff, den Adel der künstleri- 
schen Gesinnung, welche die alten Meister kennzeichnen, sich aneignen? 

Nicht unähnlich verhält es sich mit den älteren Denkmälern von Gutenberg's 
Kunst. Sie erfüllen jeden gebildeten Jünger derselben mit Ehrfurcht, ja wir möchten 
sagen, sie erwecken in ihm eine andachtsvolle Stimmung. Es erregt sein Staunen, 
wenn er sieht, mit welchen primitiven technischen Hülfsmitteln Bewundernswerthes 
erreicht wurde. Er folgt mit warmem Interesse den begeisterten Aposteln der Ver- 
breitung der neuen Kunst auf ihren Wanderzügen über die Alpen, die Vogesen, 
die Pyrenäen, über die Ostsee, ja über das Weltmeer. Es regt sich in der Brust 
des Beschauenden der Entschluss, den Geist dieser ersten Jünger in sich aufzu- 
nehmen, es erfüllt ihn mit freudigem Stolz, dass der Erfinder und dessen die Welt 
für die Kunst erobernde Schüler Deutsche waren. Er fühlt, dass auch er eine 
Mission zu erfüllen habe, dass es gegenüber einer Kunst, welche der Menschheit 
nicht zu zählende Wohlthaten erwiesen hat, nicht allein seine Schuldigkeit ist, die 
ihm jetzt in so reichem Maße dargebotenen Mittel zum Schaffen von etwas tech- 
nisch Tüchtigem zu benutzen, sondern dass auch die Ehrenpflicht ihm obliegt, nie 
zur Benutzung einer so edlen Kunst zu unedlen Zwecken mitzuwirken. 

Da eröffnet sich gerade in dem entscheidenden Augenblick eine Aussicht, wo- 
durch die Erfüllung des in zwiefacher Hinsicht kaum erreichbar Scheinenden wesent- 
lich näher gerückt worden ist. Durch materielle Opfer, zähe Ausdauer und fast 
fanatischen Sammeleifer eines enthusiastischen Bücherliebhabers, des Commissions- 
rathes Heinr. Klemm in Dresden, wurde in aller Stille und in unglaublich kurzer 
Zeit eine Collection von Incunabeln in ausgesuchten Exemplaren zusammenge- 
bracht, welche alle Kenner in höchstes Staunen versetzte und wie sie als Grund- 



— 16 — 

läge für ein typographisches Museum kaum zweckmäßiger angelegt sein könnte. 
Herr Klemm will, falls es möglich ist die Sammlung dem Leipziger Museum zu 
erhalten, diese zu Bedingungen abgeben, die allgemein als ganz ungewöhnlich 
mäßig bezeichnet werden, und die Staatsregierung bietet, wie bereits erwähnt, in 
liberaler Weise die Hand dazu. Zwar liegt die endliche Entscheidung noch im 
Ermessen der Landstände, aber ist es anzunehmen, dass der hochherzige Ent- 
schluss der Regierung bei diesen auf Hindernisse stoßen wird? Handelt es sich 
doch nur um eine Summe, die öfters für wenige Bildwerke eines Museums aus- 
gegeben wurde "^J. In dem vorliegenden Fall würde aber damit ein Museum ge- 
gründet, welches in Verbindung mit den übrigen hier zu besprechenden Institu- 
tionen vielen Gewerben, welche dem Staat jährlich Millionen zuführen und der 
zweiten Stadt des Landes Weltruhm bringen, einen mächtigen Vorschub für alle 
Zeiten zu geben geeignet wäre. In diesem festen Vertrauen wird das Buchgewerbe 
selbst ungesäumt und um so zuversichtlicher mit eigenen Kräften an den zweiten 
Theil der Aufgabe schreiten: das Ansammeln der eigentlichen Muster drucke der 
späteren und neueren Zeit. 

Nachdem die Buchdruckerkunst im Wesentlichen zu Anfang des XVI. Jahr- 
hunderts durch Europa verbreitet war, begannen die graphischen Künste in Deutsch- 
land sich mit der Typographie zu verbinden, um Werke zu schaffen, die heute 
nicht nur den historischen, sondern auch einen absolut künstlerischen Werth für 
alle Zeit besitzen. Neben Dürer und Holbein schreitet im xvi. Jahrhundert eine 
Reihe von sogenannten »Kleinmeistern«, d. h. Meistern im Kleinen, an uns vor- 
über, welche uns zahlreiche Werke, theils als Einzelblätter, theils in Buchform, 
hinterließen, denen wir nicht gar so viele Schöpfungen der neuen Zeit als eben- 
bürtig zur Seite zu stellen haben. Auch die Bücher-Ornamentik trieb damals ihre 
schönsten Blüthen, während die Buchdrucker-Familien der Aldi, der Stephane, des 
Plantin, der Elzevire u. a. Musterwerke des Druckes zu wissenschaftlichen Zwecken 
lieferten. 

Aus der dieser Periode der Blüthe folgenden sterilen Zeit würde das Museum 
keine großen Bereicherungen zu erwarten haben; es folgten jedoch neue frucht- 
bare Jahre des Wiedererwachens der Kunst mit den Prachtleistungen Bodoni's, 
Ibarra's, der älteren Didot's, Baskerville's, Bulmer's, Müller-Ritchie's, Göschen's und 
vieler anderer Männer, deren Namen zwar Jedem vom Hörensagen geläufig sind, 
deren Arbeiten jedoch die Wenigsten auch nur gesehen, geschweige denn zur 
technischen Belehrung studirt haben, so dass im Vergleich mit den Incunabeln 
letztere eher als bekannt bezeichnet werden dürften. 

Die nicht kleine Zahl schöner Arbeiten aus der bald ablaufenden ersten Hälfte 
des fünften Jahrhunderts der Druckkunst bildet den Schluss der Perlen, welche das 
Museum schmücken müssten. Das Sammeln eines großen Theils derselben ist 
eine verhältnismäßig leichtere und weniger kostspielige Aufgabe. Der Corpsgeist 
der Buchhändler und Buchdrucker wird das Vorhaben wesentlich unterstützen, da 



*) Es ist so Vieles von dem Werth der Klemm'schen Sammlung als Kaufobject geschrieben und 
gefabelt (man hat sich gar bis auf 6 — 7 Millionen Mark verstiegen), dass es wohl angebracht sein 
dürfte, die wirklichen Summen, um die es sich handelt, zu constatiren. Herr Commissionsrath Klemm 
beansprucht für die Sammlung, laut Bestand vom October 1883, 400000 Mark und will von dieser Summe 
50000 Mark für neue Erwerbungen stiften, erklärt sich auch an diese Bedingungen bis nach Ablauf 
des nächsten Landtages gebunden. 



— 17 — 

es sich nicht um ein im eigennützigen Localpatriotismus hervorzurufendes Werk, 
sondern um eine Förderung des ganzen deutschen Pressgewerbes handelt. In 
keinem anderen Berufszweig fühlen aber die über die ganze Erde zerstreuten Fach- 
genossen sich so nahe stehend als in den genannten. Dazu haben eben die seit 
Jahrhunderten bestehende Concentration des Verkehrs über Leipzig und der Name 
Gutenberg das Ihrige gethan. 

Keine andere deutsche Institution erfreut sich im Auslande einer so allgemeinen 
Sympathie als der deutsche Buchhandel, vertreten durch den in Leipzig domici- 
lirenden Börsenverein; kein deutscher Name wird mit solch ungetheilter neidloser 
Anerkennung von Ausländern genannt als der Gutenberg's, denn mit Ausnahme 
einiger wenigen, durch falsches Nationalgeflihl Irregeleiteten ehren ihn alle als den 
Erfinder der Buchdruckerkunst und damit als den Wohlthäter aller Völker. 

Jeder Fachgenosse der graphischen Künste, diese in weitestem Sinne ge- 
nommen, fühlt, dass Leipzig mehr wie irgend eine andere Stadt die Berechtigung, 
zugleich aber auch in demselben Maße die Verpflichtung hat, die Initiative zur 
Errichtung eines den graphischen Künsten gewidmeten, würdigen, in seiner Art 
einzig dastehenden Museums zu ergreifen, dessen Nutzen jedoch nicht einseitig der 
Stadt, sondern der ganzen graphischen Welt zufallen muss und wird. 

Es bedarf — das ist nicht allein unsere Ueberzeugung — nur eines ernst- 
haften Aufrufes seitens der Collegen in Leipzig an die Genossen von nah und fern 
und eines nicht bei den ersten etwa sich zeigenden Schwierigkeiten erlahmenden 
Eifers, um das werkthätige Interesse der Gesammtheit des Buchgewerbes für die 
Vollendung des Museums hervorzurufen. Die Organisation des Buchhandels bietet 
zugleich die besten Mittel, das Sammelwerk selbst in ausgedehntester Weise zu 
organisiren. Man verschmähe nur die Anwendung dieser Mittel nicht, und der 
Erfolg wird sich bald zeigen, selbst nach Richtungen hin, die nicht immer gleich 
vorhergesehen werden können. Um nur ein Beispiel zu nennen: sollte es nicht 
denkbar sein, dass eine Zahl von tüchtigen Buchbindern in Deutschland (Gehülfen 
nicht ausgeschlossen) sich einigen würde, jeder ein Werk, oder mehrere solche, 
in einer dem heutigen Stadium der Buchbinderkunst angemessenen, aber deshalb 
nicht immer prächtigen Weise einzubinden um hiermit eine Sammlung von Muster- 
einbänden der Neuzeit schaffen zu helfen, wobei zugleich der Einzelne sich selbst 
ein kleines bleibendes Denkmal setzen würde? 

Die Eigenschaft als einzig in seiner Art wird das Museum erst durch das 
nothwendige Complement: eine möglichst vollständige Fachbibliothek 
erhalten. 

Eine solche ist bereits in vortreff*licher Weise von dem Börsenverein der 
deutschen Buchhändler ins Leben gerufen und seit einer Reihe von Jahren sorg- 
sam gepflegt worden. Im Jahre 1844 aus kleinen Anfängen entstanden und zu- 
erst nur spärlich dotirt, erhielt die Bibliothek durch Herrn Dr. Alb. Kirchhoff eine 
höchst wichtige Bereicherung, indem dieser in hochherziger Weise der Bibliothek 
seine werthvoUen und umfangreichen Sammlungen schenkte. Eine bedeutende 
That führte der Börsenverein selbst aus, als er im Jahre 1876 die Sammlungen 
des bekannten Antiquars Lempertz in Köln für 18000 Mark erwarb. Jährliche 
Ankäufe, für welche jetzt die Mittel in reicherem Maße bewilligt werden, ver- 
mehren fortwährend den Bestand der Bibliothek, die durch die erwähnte Schenkung 
und Erwerbung zugleich die ersten Schritte zur Begründung eines historischen 

3 



— 18 — 

Museums gemacht hat. Würde der Börsenverein darauf angewiesen, allein den 
Museumsgedanken weiter zu fuhren, so müsste er an das bereits Bestehende an- 
knüpfen, somit das Museum als Anhang zu der Bibliothek behandeln. Wird je- 
doch der Museumsplan nach einem großen Maßstab angefasst, wie es hier vorge- 
schlagen wird, so dürfte eher die Frage entstehen, ob nicht eine Ausscheidung 
der Museums-Gegenstände aus der Fachbibliothek und die Beschränkung letzterer 
auf ihre ursprüngliche Bestimmung, dagegen die Vereinigung der zu schaffenden 
Fachbibliothek des Museums mit der Börsenbibliothek anzuempfehlen wäre. Es 
brauchte eine solche Vereinigung nicht weiter zu gehen, als was die Verwaltung 
beträfe; das Eigenthumsrecht könnte ja jede der Parteien sich vorbehalten. Dies 
wäre sicherlich ein Vortheil nicht minder für das Museum, wie für die Bibliothek, 
indem sowohl die pecuniären als die leitenden Kräfte der letzteren besser concen- 
trirt würden. Denn leugnen lässt es sich nicht, dass trotz der Reichhaltigkeit der 
Bibliothek doch ein rascherer, systematischer Ausbau erwünscht wäre, und dass, 
was die graphischen Fächer anbelangt, verschiedene Lücken vorhanden sind, 
namentlich in Betreff der Serien der Fachzeitschriften, wobei jedoch der Umstand 
nicht übersehen werden darf, dass die Bibliothek eigentlich nur den Zweck hatte, 
Buchhändlern zu dienen. 

Hiermit wäre auch eine größere Wechselwirkung zwischen Bibliothek und 
Publikum zu erreichen, als wie sie bis jetzt stattfand. Hauptsächlich müsste, sollen 
die Zwecke des Museums erreicht werden, auf das Hinzutreten des belebenden 
Elements eines Lesezimmers gedacht werden, welches bei einer Bibliothek für 
Männer der Praxis das Wichtigste von Allem ist. Die Einrichtung eines solchen 
Lesezimmers, dessen Benutzungsstunden in liberalster, den geschäftlichen Verhält- 
nissen angepasster Weise zu reguliren wären, müsste hauptsächlich auch auf Aus- 
legen der Fachzeitschriften berechnet sein; die Benutzung der Bücher wäre so 
leicht zu machen, wie es nur immer mit der sicheren Erhaltung derselben verein- 
bar wäre. Ein sich anschließender Raum müsste zu kleineren wöchentlichen, durch 
Vorträge unterstützten Ausstellungen, wie sie die Kunstvereine gewöhnlich veran- 
stalten und zum Austausch der Ansichten Gelegenheit bieten. Gerade das öftere 
Zusammensein von F'achgenossen aus verschiedenen Branchen würden wir als für 
das Ganze sehr fruchtbringend betrachten. 



Wenn in dem Vorstehenden der Börsenverein der deutschen Buchhändler und 
die ihm gehörende Bibliothek ohne Weiteres mit in Rechnung gezogen wurde, so 
haben wir ein Desavouiren seitens dieses Vereins nicht zu befürchten, denn das 
geplante Museum fassen wir, wie schon erwähnt, als eine allgemeine Angelegen- 
heit auf, bei welcher Leipzig als berufenster Vertreter des ganzen deutschen Press- 
gewerbes zwar die Pflicht obliegt, den Anfang allein zu machen, dessen Fort- 
fuhrung und Erhaltung wir uns jedoch nur in enger Verbindung mit dem Börsen- 
verein denken können, dem sich etwas früher oder später der deutsche Buch- 
druckerverein, will er überhaupt seine Aufgabe lösen, sicherlich in irgend einer 
Weise näher anschließen wird. Bei uns kann nicht der leiseste Zweifel obwalten, 
dass der Börsenverein dem Plan seine volle Sympathie entgegenbringen, ihn in 
jeder Weise fördern und ihm bei dem Neubau der Börse volle Rechnung tragen 
wird, was er ja bereits bethätigt hat, indem die Hauptversammlung das Referat 



— 19 — 

über den Bau einer neuen Börse, in welcher die Unterbringung des Museums be- 
sonders betont wurde, gut hieß. Ueber den Modus, wie Leipzig und der Börsen- 
verein bei dieser Veranlassung zusammenwirken werden, können vielleicht ver- 
schiedene Ansichten herrschen ; dass jedoch eine Vereinigung dieser eintreten wird, 
ist bei dem guten Willen beiderseits nichtsdestoweniger als sicher anzunehmen. 
Mancher Schwarzseher wird vielleicht befürchten, dass, selbst bei größter 
Opferwilligkeit, das Ganze doch an der Theilnahmlosigkeit Derjenigen, für welche 
die Opfer gebracht werden, scheitern würde, und erst die Beibringung von Be- 
weisen für das allgemeine Interesse verlangen, ehe er Hand an das Werk legt. 
Hierzu möchten wir bemerken: erstens, dass man sich in Acht zu nehmen hat, 
nicht die eigene Lauheit mit der bei Anderen vermutheten zu verwechseln, dann, 
dass man nicht vergessen darf, dass es sich ja gerade darum handelt, dem In- 
differentismus der Betreffenden, falls ein solcher wirklich vorhanden ist, mit Energie 
entgegenzutreten. Lebendiges Interesse seitens Derjenigen, welche die Sache ins 
Leben rufen, wird auch dieses weiter fortpflanzen. Die Gelegenheit, den Trieb 
nach Bildung befriedigen zu können, steigert denselben, und dieser wohnt doch in 
größerem oder kleinerem Grade fast Jedem inne, wenn er bei Manchem auch 
schlummert und erst geweckt werden muss. Gewiss sehr währ, sagt der Vor- 
steher der Leipziger Stadt-Bibliothek, Dr. G. Wustmann, in seinem sehr em- 
pfehlenswerthen Bericht über die erwähnte Anstalt : »Die Vermehrung der Gelegen- 
heit, die Bücher einer Bibliothek benutzen zu können, muss der Vermehrung der 
Benutzung vorangehen.« 



a* 



IIL Eine Academie des Buchgewerbes. 



Betrachten wir auch die in dem vorhergegangenen Abschnitt besprochene 
Gründung eines Museums als eine sehr ernste Angelegenheit, so möchten wir sie 
doch im Vergleich mit dem Gegenstand, der uns nunmehr beschäftigen wird, als 
eine überwiegend leichtere bezeichnen. 

Zu dem Museumsbau kann ein Jeder Bausteine tragen, jeder einzelne dieser 
Steine lässt den Bau vor unseren Augen wachsen ; wir erblicken täglich den Fort- 
schritt und was das Auge sieht, erwärmt das Herz. 

Anders verhält es sich mit den Anstalten des eigentlichen Unterrichts und 
der Ausbildung. Jede einzelne Abtheilung davon bildet ein in sich abgeschlos- 
senes, nicht unbedeutendes Institut, welches zur Durchführung Anstrengungen und 
Vorbereitungen von langer Hand erfordert. Die Früchte reifen langsam und der 
volle Nutzen kommt vielleicht erst der nächsten Generation zu Gute. Langes Ab- 
warten ist jedoch nicht die charakteristische Eigenschaft unserer schnelllebenden Zeit. 

Dass Leipzig in Betreff der Fachunterrichtsanstalten zurücksteht, ist nicht zu 
leugnen. Zwar wurde im Jahre 1869 eine Fachschule für Buchdruckerlehrlinge 
gegründet, die auch bald in gutem Gange sich befand und 1872 in acht Classen 
vertheilt 223 Schüler zählte. 1873 musste der Director, jetzige Standesbeamte 
F. J. Burckhardt, seine höchst verdienstliche Wirksamkeit auf Grund einer größeren 
anderweitigen Amtsthätigkeit aufgeben. In Betreff des Locals entstanden Schwierig- 
keiten mit der Stadtverwaltung, obwohl der Rath bereits damals der Schule günstig 
gestimmt war, wie er dies auch noch heute ist. Dazu kam der große Buch- 
druckerstreik des Jahres 1873, während dessen die hiesigen Buchdruckereien nur 
durch die angestrengteste Arbeit der Lehrlinge die allernothwendigsten Aufträge 
fertig stellen konnten. 

Alle diese Umstände zusammen hatten leider die Schließung der Lehranstalt 
zur Folge, deren Wiedereröffnung bis zur Stunde nicht erfolgt ist, was sehr zu 
bedauern bleibt, wenn auch der Erfolg nicht ganz mit der allgemein anerkannten 
Tüchtigkeit der Leitung in Einklang gestanden hatte. Dass überhaupt in Buch- 
druckerkreisen ein eigentliches Heil für die Kunst aus eijjer Lehrlingsschule nicht 
erwartet wird, darf man sich nicht scheuen offen auszusprechen. Einen Stütz- 



— 21 — 

punkt für diese Ansicht giebt auch die Geschichte der mit vielen directen und 
indirecten Opfern durch 30 Jahre von dem Leipziger Buchhändlerverein weit mehr 
im Interesse des Ganzen und als Ehrenpflicht für Leipzig, als im Sonderinteresse 
der Leipziger Buchhändler unterhaltenen Schule für Buchhändler-Lehrlinge. 

Ein Hauptgrund, weshalb solche Lehrlings- Fachschulen schwer gedeihen, ist 
die bei knapp bemessenen Mitteln fast an Unmöglichkeit grenzende Schwierigkeit, 
tüchtige Lehrkräfte auf die Dauer ihnen zu erhalten. Hierdurch entsteht ein fort- 
währender, für den Unterrichtserfolg sehr nachtheiliger Wechsel. Ein zweites 
Erschwernis liegt in dem Zusammenwürfeln vieler junger Menschen mit ganz ver- 
schiedenen theilweise mit fast gar keinen Vorkenntnissen in stark besuchten 
Gassen mit nur wenigen Lehrstunden. Schließlich macht sich der Uebelstand 
geltend, dass die Lehrstunden zu einer Zeit abgehalten werden, in welcher eine 
ungetheilte Aufmerksamkeit des Schülers kaum erwartet werden kann. Nach den 
besonderen örtlichen Verhältnissen Leipzigs würde die Mehrzahl der Buchdrucker- 
Lehrlinge, deren Eltern hauptsächlich in den umliegenden Dörfern wohnen, in der 
Regel von etwa 6 Uhr früh bis Abends 10 Uhr auf den Füßen sein müssen, oft 
ohne dass sie in der Lage wären, in der Zeit eine ordentliche Mahlzeit einzu- 
nehmen; dazu wäre noch die nothwendige Zeit für die Fertigstellung der Schul- 
arbeiten zu rechnen. Jedenfalls müssten sich die Lehrgegenstände innerhalb der 
mäßigsten Grenzen halten und die Principale dafür gestimmt werden, etwas von 
der Arbeitszeit zu Gunsten der Lehrstunden fahren zu lassen, was nicht immer so 
leicht durchzuführen ist, wie Mancher sich's denkt, zumal wenn es sich darum 
handelt, alle Lehrlinge zu gleicher Zeit in den beschäftigtsten Arbeitsstunden zu 
entbehren. 

Trotz der Begründetheit der obigen Bemerkungen dürfte es kaum zu ver- 
theidigen sein, dass Leipzig seit zehn Jahren, wenn es auch die Angelegenheit 
nicht ganz bei Seite geschoben hat, doch an die Wiedererrichtung der Fachschule 
unter möglichster Beseitigung der oben erwähnten Uebelstände nicht energisch 
gegangen ist. 

PVeudig musste deshalb ein, wenn auch von außerhalb des Fachkreises kom- 
mender Anstoß begrüßt werden, der dazu gedient hat, die Sache wieder in Fluss 
zu bringen. Schon Eingangs wurde erwähnt, dass dem königlichen Ministerium 
des Innern ein Plan zu einer Fachschule für Buchdrucker-Lehrlinge vorgelegt sei, 
und zwar war derselbe auf Anregung des Ministeriums selbst entstanden und rührte 
von dem Director der Leipziger Kunstacademie, Hofrath Nieper, her. Der Lehr- 
plan selbst, welchem der der Wiener Fachschule *) als Vorbild gedient hatte, konnte 
zwar aus verschiedenen Gründen nicht den Beifall des Leipziger Buchdrucker- 
vereins finden, hat jedoch das unbestreitbare Verdienst, die schlafende Angelegen- 
heit wachgerufen und den Buchdruckerverein angetrieben zu haben, von Neuem 
ernstlich an sie heranzutreten. Letzterer hat bereits dem königlichen Ministerium 
die Zusicherung ertheilt, die Lehrlingsschule werde ins Leben treten; wir können 
also eine baldigste Inangriffnahme erwarten, im Uebrigen die Durchfuhrung als 
eine interne Aufgabe des Buchdruckervereins betrachten, die er sicherlich in 
gewissenhaftester Weise lösen wird. 



*) EHeselbe wird, nebenbei gesagt, von der Regierung mit einem Jahreszuschuss von 1200 Gulden 
Qtionirt. 



subventionirt. 



- 22 — 

Durchgreifende Resultate für die Hegemonie Leipzigs in dem Druckgewerbe 
wird kein Fachmann aus der Lehrlingsschule erwarten, solche sind nur zu 
verlangen von einer höheren Bildungsanstalt, um das Wort hier offen auszu- 
sprechen, von einer 

Academie des Buchgewerbes. 

Zur Motivirung dieser Ansicht ist ein kurzer Rückblick auf die vollständige 
Umgestaltung nothwendig, welche die druckenden Künste und das Buchgewerbe 
durch die großen Erfindungen der Neuzeit schon erfahren haben und noch weiter 
erfahren werden. 

Diese Umgestaltung begann bereits mit den dreißiger Jahren unseres Jahr- 
hunderts. Früher kam bei dem Druckgewerbe gewöhnlich nur die Typographie, 
allenfalls in größeren Anstalten die Schriftgießerei und Stereotypie in Frage. Die 
wenigen Holzschneider genügten für den unbedeutenden Bedarf an Illustrationen. 
Der Buntdruck beschränkte sich hauptsächlich auf roth gedruckte Linien und auf 
Anbringung einzelner roth eingedruckter Zeilen oder Initialen. Die ältere Kupfer- 
stecherei und die jüngere Lithographie blieben, wenn auch ihre Erzeugnisse zum 
Theil für Bücherillustration dienten, doch besonders betriebene Geschäftszweige. 

Dies wurde durch den enormen Aufschwung des xylographischen, später des 
chromo-lithog^aphischen Druckes anders, namentlich aber in jüngerer Zeit durch 
die in der Photographie wurzelnden Hoch-, Tief- und Flach-Druckverfahren. Die 
größeren Buchdruckereien wurden, namentlich wenn sie sich viel mit Accidenz- 
arbeiten und Werthpapierdruck beschäftigten, mit xylographischen, galvanoplasti- 
schen, chemitypischen, lithographischen, chalkographischen Anstalten, später mit 
Zweiggeschäften für alle photo-chemischen Verfahren ausgerüstet. 

Sehr oft sind solche Anstalten in den Händen von Verlagsbuchhändlern, selbst 
von Actiengesellschaften , oder sie sind wie Fideicommisse zu betrachten. Der 
Besitzer ist in vielen, ja fast in den meisten Fällen nur der industriell-finanzielle 
Regulator, durch welchen, ohne Eingreifen in die einzelnen Räder des Mechanis- 
mus, der fortgesetzt regelmäßige Gang des Ganzen erhalten wird. Selten ist das 
Haupt einer großen graphischen Anstalt ein technisch durchgebildeter Arbeiter, 
der von der Pike auf gedient und technische Erfahrungen gesammelt hat. Und 
selbst wenn er ein solcher wäre, so kann er doch unmöglich gleich gut in allen 
den jetzt üblichen viel verzweigten Verfahrungsweisen zu Hause sein. 

Aus dem Gesagten geht von selbst hervor, dass heut zu Tage zum Betriebe 
eines Buchdruckereigeschäftes ein großes Capital erforderlich ist. Die Zeiten, wo 
eine Handpresse, einige Centner Schrift und persönliche Tüchtigkeit genügten, um 
als Buchdrucker ein gemachter und bürgerlich wohl angesehener Mann zu werden, 
sind längst vorüber, und selbst einige Ausnahmen ändern an der Regel nichts. 
Kostspielige Maschinen, ein großer Schriftenreichthum müssen angeschafft, be- 
deutende Credite gewährt werden. Dem nicht in äußerlich günstigen Verhält- 
nissen Geborenen wird es somit immer schwieriger und misslicher, ein eigenes 
Geschäft zu begründen, namentlich aber dasselbe mit Erfolg zu erhalten. 

Dagegen werden außer den gewöhnlichen Arbeitern eine bedeutende Anzahl 
von in einzelnen Fächern weiter ausgebildeten jungen Männern als Leiter der ver- 
schiedenen Abtheilungen der größeren graphischen Geschäfte erfordert. Eine 
Menge von Vertrauensposten entstehen, die eine gewisse Freiheit im Handeln und 



— 23 — 

einen genügenden Spielraum zur Entfaltung der persönlichen Tüchtigkeit gewähren. 
So gelangen bereits in jüngeren Jahren Viele zu einer Behaglichkeit der äußeren 
Existenz, die, auch von Seiten des Staates, in dem heutigen schweren Kampf um 
das Dasein hoch zu schätzen ist und einen Ersatz für die schwer zu erringende, 
dabei oft sehr chimärische »Selbständigkeit« bietet. 

Zur genügenden Ausfüllung solcher Stellungen gehört jedoch die, nur durch 
die Verbindung von Theorie und Praxis mögliche, ganze Ausbildung, zu deren 
Erreichung eben eine zu errichtende graphische Academie die Hand bieten soll. 

Wir wählen die Bezeichnung »Academie«, nicht weil sie vornehmer als Schule 
oder Lehranstalt klingt, sondern weil sie prägnanter die Stellung bezeichnet, 
welche wir, wenn es erlaubt ist. Kleineres mit Größerem zu vergleichen, für die 
Anstalt beanspruchen, nämlich : sie solle denselben Platz in Bezug auf die in der 
Lehre Gebildeten oder sonst mit den genügenden Vorkenntnissen Ausgerüsteten 
ausfüllen, wie ihn die Universität zu den auf den gelehrten Schulen Vorgebildeten 
einnimmt. Es müsste deshalb auch durch eine Prüfung die Gewähr für das 
Vorhandensein der genügenden Vorbildung für den Unterricht auf der Academie 
gegeben werden und ebenso bei dem Abgang auf Verlangen eine Prüfung und 
Ertheilung eines Zeugnisses stattfinden. Da bei Vergebung wichtiger Posten 
jedenfalls ein besonderes Gewicht auf letzteres gelegt werden würde, so wäre jede 
mögliche Sicherstellung gegen Ungenauigkeit und Parteilichkeit zu treffen. 

Die Unterrichtsgegenstände müssten zu verschiedenen Gruppen vereinigt werden, 
unter welchen der Betreffende, je nach dem Ziel, welches er sich fiir die Zukunft 
gesteckt hat, wählen könnte, ohne gehalten zu sein, an dem Unterricht in allen 
Disciplinen Theil zu nehmen. Jede Gruppe würde verschiedene Lehrer, das Ganze 
einen Vorsteher haben. 

Würden Staat, Stadt und Corporationen sich lebhaft betheiligen, müssten sie 
sich auch hinsichtlich ihrer Stiftungen gewisse Rechte wahren können. Und ohne 
eine solche allseitige Betheiligung ist ein Zustandekommen des Planes, wenigstens 
in seiner vollen Ausdehnung, kaum denkbar*). Denn so lange die Gaben der 
Natur und des Glückes nicht mit einander Schritt halten, würde der Zutritt zu 
einer solchen Anstalt, wenn in Privathänden, nur den Bemittelten möglich sein. 
Hier wird nun eben die Gelegenheit gegeben für den Staat, für die Stadt, für die 
Corporationen sowie für den einzelnen, mit seinem Lehrling zufrieden gewesenen 
Principal oder für Den, der einen jungen Mann für einen bestimmten Zweck aus- 
bilden lassen will, überhaupt für Jeden, dem das Gedeihen des Buchgewerbes am 
Herzen liegt und den Gott mit irdischen Gütern gesegnet hat, in fördernder oder 



*) Auch hier bietet ein besonderer Umstand, welcher, als die Denkschrift abgefasst wurde, nicht 
mit in Rechnung gebracht werden konnte, ein wesentliches Mittel, diese schwierigste aller der vor- 
liegenden Aufgaben mächtig zu fordern. Der vor Kurzem entschlafene Karl Tauchnitz hat, wie 
bekannt, von seiner rein menschenfreundlichen Gesinnung geleitet, die Stadt zur Erbin seines sehr 
beträchtlichen Vermögens eingesetzt, ohne ihr eine andere Bedingung aufzuerlegen als die Verwendung 
der Zinsen zu humanitären Zwecken. Ein solcher Zweck ist jedoch gewiss die oben angedeutete 
Förderung der Lehranstalt. Giebt es wohl für den Namen Tauchnitz, der neben dem Breitkopfs stets 
einen hohen Ruhm in der Geschichte der Buchdruckerkunst behalten wird, eine würdigere und dem 
Sinne des Entschlafenen und seines berühmten Vaters entsprechendere Verwendung eines Theiles des 
hinterlassenen Gutes, als eine ergiebige Unterstützung zur Bildung von vorwärtsstrebenden, aber nicht 
begüterten Genossen des Standes, welchem der Vater und der Sohn Ruhm und Vermögen verdanken? 
Hätte der Verstorbene eine Inangriffnahme der hier besprochenen Institutionen im Interesse des Buch- 
gewerbes erlebt, so wäre er zweifelsohne einer der ersten Förderer derselben geworden. 



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wohlthätiger Weise einzugreifen durch Stiftung von Lehrerstellen, durch Schenkung 
der nöthigen Unterrichts-Apparate, namentlich aber durch Errichtung von Frei- 
stellen zu helfen. Die das Buchgewerbe Ausübenden hatten bisher nur Gelegen- 
heit, ihr menschliches Interesse für das Wohl der Fachgenossen oder ihre Hinter- 
lassenen durch Förderung des Unterstützungswesens zu bethätigen; sie haben dies 
stets redlich gethan und werden es auch künftig thun. Nicht minder edel und 
Befriedigung gewährend ist es aber, dem Eintritt der Nothwendigkeit einer Unter- 
stützung theilweise vorzubeugen, indem auch dem Nichtbemittelten durch Erwer- 
bung tüchtiger Kenntnisse die Gelegenheit erleichtert wird, sich und den Seinigen 
eine die Existenz sichernde Stellung zu schaffen. 

Die Vorlegung eines in allen Details fertigen Planes einer graphischen Aca- 
demie könnte möglicherweise den Schein für sich haben, ein Resultat reiflicher 
Ueberlegung zu sein; in der Wirklichkeit wäre sie eine Uebereilung. Ein solcher 
Plan verlangt, nachdem erst einigermaßen feststeht, mit welchen Factoren über- 
haupt vorkommenden Falls zu rechnen wäre, die gründlichste Berathung einer An- 
zahl von Fachkundigen aus den verschiedenen in Frage kommenden gewerblichen 
und kunstgewerblichen Zweigen. Selbst dann schmeicheln wir uns noch nicht mit 
der Hoffnung, dass eine Institution, wie die beabsichtigte, gleich fertig und gehar- 
nischt aus der Berathung in das praktische Leben springen würde. Die An- 
fänge werden wahrscheinlich sich immer noch auf das Nothwen- 
digere und am nächsten Liegende zu beschränken haben; nur dürften 
die ersten Schritte nicht aufs Gerathewohl geschehen, sondern mit stetem Hinblick 
auf ein größeres Endziel. 

Wir glauben deshalb für jetzt uns auf eine nähere Andeutung derjenigen Per- 
sönlichkeiten beschränken zu sollen, welche wir uns zunächst als Schüler der An- 
stalt denken und auf die Hervorhebung derjenigen Seiten des Geschäfts, in denen 
ein Vorwärtsschreiten im Allgemeinen, und insbesondere in Leipzig, verlangt 
werden muss und die zum Theil in dem vorausgegangenen geschichtlichen Rück- 
blick angedeutet wurden. Es wird dann hieraus von selbst hervorgehen, was be- 
sonders wichtig und womit der Anfang am zweckmäßigsten zu machen wäre. 

Als zahlreiche Besucher der Academie denken wir uns ganz besonders die 
Söhne von Principalen, die für die einstige Fortführung des väterlichen Geschäfts 
herangebildet werden sollen, überhaupt junge Männer aus besser situirten Häusern, 
welche, nach Erlangung eines sorgfältigen Unterrichts, der in vielen Fällen zum 
Abgang nach der Universität berechtigen würde, oder selbst nach Besuch einer 
Universität und Erlangung academischer Ehren, sich der geschäftlichen Laufbahn 
in dem Buchgewerbe widmen wollen ; wie stark die Angehörigen dieser Classen 
als Principale vertreten sind, lernen wir beim Durchblättern der Buchhändler- und 
Buchdrucker- Adressbücher kennen. 

Die jüngeren Principalssöhne verbringen gewöhnlich ein Jahr oder eine längere 
Zeit in einem der Familie befreundeten Geschäft entweder als nominelle Lehr- 
linge, als Volontaire oder für ihre Ausbildung Zahlende. Selten machen die 
jungen Leute sich das Leben besonders schwer. Sie sind im Geschäft deshalb 
nicht gern gesehen, weil auf sie nicht bestimmt zu rechnen ist und sie dadurch 
keinen vortheilhaften Einfluss auf Diejenigen ausüben, von denen pflichtschuldige 
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit verlangt werden muss. Aber auch Denjenigen, 
die wohl etwas Tüchtiges in kurzer Zeit lernen möchten und auf Grund ihrer Vor- 



— 25 — 

bildung lernen könnten, ist es nicht leicht, in dem sich regelmäßig bewegenden 
Geschäft einen förmlichen Cursus durchzumachen ; sie sind mit ihrem Trieb, recht 
Vieles zu machen und zu lernen, gewöhnlich im Wege. So fehlt es den meisten 
graphischen »Freiwilligen« an der richtigen Ausbildung, die ihnen ein selbster- 
worbenes Anrecht auf Commandostellen gäbe. 

Für diese jungen Männer müssten wir die Academie als eine höchst segens- 
reiche Institution bezeichnen. Die Zöglinge erwerben das Recht, Alles und zwar 
auf zweckmäßige Weise zu lernen, andererseits ist die Vernachlässigung der Pflicht, 
zu lernen, ihnen nicht so leicht gemacht wie in dem laufenden Geschäft, wo Nie- 
mand auf ihre Abwesenheit in den Geschäftsstunden Gewicht legt. Namentlich 
würde der Besuch der Academie Denjenigen, die sich dem Verlagsgeschäft widmen 
wollen, sei es als Principale, sei es als Gehülfen, durch die den Schülern gebotene 
Gelegenheit eines tieferen Einblickes in die Typographie und die Schwesterkünste 
von größtem Nutzen sein. Die Betreffenden werden weit sicherer arbeiten und 
sich oder ihre Principale vor manchen aus Unkenntnis des Technischen leicht ent- 
stehenden Schäden wahren können ; sie laufen nicht die Gefahren der Uebervor- 
theilung, der falschen Calculation und Disposition; sie werden, wenn es erlaubt 
ist, den so oft missbrauchten und missverstandenen Ausdruck anzuwenden, »stil- 
vollere Bücher« produciren. Deutschland ist mit Recht stolz auf die große in dem 
Buchgewerbe arbeitende Geisteskraft, aber die technische Ausbildung geht mit der- 
selben nicht immer Hand in Hand. 

Wir haben mit einer Classe angefangen, welche zwar eine genügende allge- 
meine, jedoch keine virtuose Ausbildung in einzelnen Fächern der graphischen Künste 
verlangt, und wollen zunächst noch bei einigen anderen Classen verweilen, die sich 
in derselben Lage befinden. Wir nennen zuerst die Männer, welche einen zwar 
wichtigen, jedoch meist unbeachteten Platz einnehmen, weil man gerade am wenig- 
sten an sie erinnert wird, wenn sie diesen Platz am besten ausgefüllt haben, wir 
meinen die Correctoren. Die Ausübung der Geschäfte eines Correctors war früher 
ein wirklicher Beruf, dem sich studirte Leute widmeten, die aus irgend einem 
Grunde die Fachstudien nicht fortsetzen konnten oder wollten oder sich, was nicht 
selten vorkam, der Correctoren-Laufbahn aus Leidenschaft hingaben. Durch den 
fortwährenden Verkehr mit den Buchdruckereien hatten sie sich eine genügende 
Vertrautheit mit der damals einfachen typographischen Praxis angeeignet. 

Jetzt glaubt ein Jeder, der eine oberflächliche Bildung genossen und gesunde 
Augen hat, auch ein guter Corrector zu sein, und wird auch oft als ein solcher 
betrachtet. Es ist jedoch ein grober Irrthum, wenn Jemand vermeint, ohne gründ- 
liche Einsicht in der Kunst des Setzens ein guter Corrector sein zu können. Es 
müssen einem solchen alle Schönheitsregeln des Satzes geläufig sein, um so mehr, 
als letzterer, wenn auch von Beginn ab regelrecht behandelt, zumeist durch Aen- 
derungen der Autoren gestört und nun wieder einigermaßen hergestellt werden 
muss, wenn die Satzarbeit nicht als eine verpfuschte angesehen werden soll. Auf 
Grund der Flüchtigkeit, mit welcher Autoren sehr oft ihre Manuscripte behandeln, 
muss der Corrector namentlich bei dem jetzt herrschenden Wechsel und der Man- 
nigfaltigkeit der orthographischen Systeme mit diesen vollständig vertraut sein, um 
auf Verlangen bald dieses bald jenes System consequent durchzuführen. Oft muss 
er, wie in der ersten Zeit der Druckkunst, zugleich den Emendator abgeben. Hat 
er Zeitungen zu corrigiren, muss er nicht selten mehr als ein Halbredacteur sein, 

4 



- 26 — 

um Sinn und Stil in oft flüchtig hingeworfene Berichte zu bringen. Selbst von 
dem Wesen des Drückens sind ihm Kenntnisse nöthig, damit er beurtheilen kann, 
was ein wirklicher Fehler ist, was nur von Nachlässigkeit im Abziehen oder von 
Zufälligkeiten herrührt ; sonst fiillt er die Correcturbogen zum Verdruss des Setzers 
und auf Kosten des Bestellers mit einer Masse verwirrender Correctur-Zeichnungen 
und Bemerkungen. 

Die Correctoren, mögen sie nun dem gelehrten Stand oder dem Setzerstande, 
aus welchem man sie jetzt oft wählt, angehören, werden, wenn auch aus verschie- 
denen Ursachen und nach verschiedenen Richtungen hin, von einem Cursus in der 
Academie wesentlichen Nutzen ziehen. 

Zu Denjenigen, welche durch ihren Beruf darauf angewiesen sind, mit 
Nutzen eine allgemeine Uebersicht über das Wesen der Typographie in der 
Academie zu erwerben, gehören selbstverständlich auch die Schrift gieß er 
und Stempelschneider, dann die Buchbinder und Graveure. Viele 
geschmacklose und widersinnige Leistungen der Schriftgießerei hätten bei einiger- 
maßen genauen Kenntnissen von dem Entstehen und der Ausbildung der Schrift, 
des Buchdruckes und des Buchwesens vermieden werden können, und ebenfalls 
die Buchbinder würden, wenn mit solchen ausgerüstet, manche »stilvollen« kühnen 
Griffe unterlassen haben. Der Schwerpunkt des Nutzens einer Academie föUt für 
die hier Erwähnten jedoch zunächst in die Abtheilung der eigentlichen Kunst- 
zweige, speciell der zeichnenden Kunst, aufweiche wir später zu sprechen kommen. 
Selbst die Fabrikanten der mancherlei Maschinen und Utensilien für den Bedarf 
der graphischen Gewerbe werden mit Vortheil eine Umschau im Druckwesen halten 
können. 

Mit den Angeführten dürfte die Reihe Derer, die eine allgemeine Aus- 
bildung in der Academie suchen würden, erschöpft sein; wir wenden uns nun 
Denjenigen zu, welche nach bereits erlangter Ausbildung in der Typographie an 
die Academie herantreten mit dem Wunsche, in einzelnen Fächern sich noch 
weiter und gründlicher auszubilden, als dies in dem laufenden Geschäft mög- 
lich war, also zu den Setzern und Druckern. 

Aus der Classe der Setzer gehen meistens die Factore hervor. Es ist dies 
natürlich, denn der ganze Verkehr einer Buchdruckerei mit dem Publikum: den 
Bestellern, den Autoren, Correctoren etc. dreht sich hauptsächlich um die Her- 
stellung des Satzes. Der Setzer, durch diesen Umgang gebildet und mehr in 
geistiger Arbeit geübt, eignet sich besser für den Verkehr nach außen als der 
Drucker, der fast nie mit dem Publikum in Berührung kommt und dessen Werth 
zumeist in seinen manuellen Fertigkeiten liegt. 

Indessen alle die Eigenschaften, die den tüchtigen Factor machen, kann der 
Setzer doch nicht im Geschäft ohne besondere Anleitung sich aneignen. Er 
muss die Fähigkeit besitzen, die erforderlichen Bücher zu führen, muss Calcula- 
tionen aufstellen können unter Berücksichtigung des nothwendigen und gerecht- 
fertigten Verdienstes, ferner die Prüfung der neuen und die Taxation der vor- 
handenen Schriften verstehen und die, wenn sie gewissenhaft gemacht wird, höchst 
schwierige Inventur und Schätzung eines laufenden Druckerei-Geschäfts vornehmen 
können. Er muss genaue Kenntnis des Wesens der Correctur haben, nöthigen- 
falls im Stande sein, eine solche vollständig gut zu lesen , in Post- und Fracht- 
verhältnissen unterrichtet, unter Umständen auch in der Pressgesetzgebung und in 



— 27 - 

den Bestimmungen des Handelsgesetzes zu Hause sein. Arbeitet die Officin mit 
dem Auslande, so wird die Forderung an ihn gestellt, dem in mancher Beziehung 
von dem unserigen verschiedenen typographischen Geschmack der Fremden Rech- 
nung tragen zu können. Auch die Organisation des Buchhandels darf ihm nicht 
ganz fremd sein, um die Ansprüche der Besteller richtig zu würdigen und sie 
nicht allein zu erfüllen, sondern ihnen zuvorzukommen. Dies und noch manches 
Andere kann er in dem Geschäft nur nach und nach, zum Theil auf Kosten seines 
Principals, lernen, während die Academie ihm die schnell helfende Hand reicht, 
um durch die Theorie die Praxis zu vervollständigen. 

Andere strebsame Setzer wünschen sich für das Fach der höheren Acciden- 
zien auszubilden, wozu die Praxis im Geschäft selten genügen wird, wenn nicht 
der Kunstsinn und die Erfindungsgabe des Setzers unter Führung tüchtiger Meister 
in die rechten Bahnen geleitet werden. Diese Ausbildung Suchenden werden in 
der zweiten Abtheilung der Academie, der für die zeichnenden Künste, die nöthige 
Unterstützung finden. Andere wollen sich mit dem Satz in seltenen, meist orien- 
talischen Sprachen genau vertraut machen; diese müssen über das Schriftenwesen 
der betreffenden Völker vom technischen Standpunkte aus belehrt werden. Wie 
sollen sie im Sinne der Eingeborenen correct setzen können, wenn sie nicht ver- 
stehen, mit den Zusammensetzungen, den auseinandergezogenen, den zusammen- 
gezogenen Schriftzeichen, der Punktirung und Accentuirung umzugehen und der 
Geschmacksrichtung der Orientalen zu genügen, denen unsere, in strammer solda- 
tischer Haltung ihre Schönheit suchenden Schriften ein Gräuel sind ? Hier kann nur 
die Anleitung des fachkundigen Gelehrten die richtige Bahn zeigen. Dieser Theil 
des typographischen Geschäfts ist ein sehr wichtiger geworden und verdient die 
sorgsamste Pflege, weil Deutschland, speciell Leipzig, hierin bereits einen Vor- 
sprung hat. 

Wenn ein Drucker die Academie aufsucht, so will er nicht das gewöhnliche 
Drucken lernen, sondern, wie der Setzer, ebenfalls seine praktischen Kenntnisse 
durch die Theorie erweitern, um entweder in einem besonderen Zweig, namentlich 
dem Kunst- und Farbendruck, etwas Vorzügliches leisten oder den Platz eines 
Druckerfactors einnehmen zu können. Im ersteren Falle strebt er namentlich nach 
Kenntnis in der Lehre von den Farben, deren Zusammenstellung, Mischung und 
Wirkung, der Vcrtheilung von Licht und Schatten etc., im letzteren Falle will er 
neben dem Unterricht in der Führung der nöthigen Bücher Belehrung über den 
Arbeitswerth der Maschinen verschiedenen Systems, über die Kraftwirkung und 
Unterhaltungskosten der verschiedenen Motore, über die Vorzüge und Mängel des 
Papiers und der Farbe, sowie der bei der Papierfabrikation verwendeten Grund- 
stoffe und Chemikalien finden. Femer muss er für die Calculation der Arbeiten 
unter Berücksichtigung der vielen bei dem Maschinenbetrieb in Frage kommenden 
Einzelheiten — eine schwache Seite vieler Officinen und deshalb ein Hauptherd 
der »Schmutzconcurrenz« — Verständnis erlangen. 

Wir verlassen nunmehr unser eigentliches Gebiet, die Typographie, und be- 
geben uns auf ein uns fremderes, das der graphischen Künste im eigentlichen 
Sinne, auf deren tüchtige Förderung durch die Academie aus den früher angeführten 
Gründen ein ganz besonderes Gewicht zu legen sein wird. 

Bei der Behandlung derselben sind demnach auch andere Grundsätze maß- 
gebend als bei den Zweigen, von welchen wir oben gesprochen haben, denn die 



— 28 — 

Acadcmie hat hier den Charakter einer Fortbildungsanstalt aufzugeben um den 
einer vollständigen praktischen Lehranstalt anzunehmen^ weil die Ausbildung für 
die Künste, um die es sich hier handelt, — eine Ausnahme bildet zum Theil die 
Xylographie — sich nicht in der Weise wie die Typographie, die Schriftgießerei etc. 
in einer eigentlichen geschäftlichen Lehre erlangen lässt. 

Hier ist die directe praktische Anleitung tüchtiger Lehrer und Künstler in 
vollständig ausgerüsteten Ateliers nothwendig. Die Wissenschaft, die Künste und 
die Praxis müssen hier Hand in Hand gehen. Dabei ist, um nicht die Forderungen 
vom Beginn ab zu hoch zu spannen, nicht ausgeschlossen, die nöthigen Ateliers 
in Verbindung mit bereits bestehenden geschäftlichen graphischen Anstalten zu 
bringen, nur müssten sie gänzlich von dem sonstigen Geschäftsbetrieb der betreffen- 
den Anstalten getrennt sein. Die größte Schwierigkeit wird in der Erwerbung 
tüchtigster Lehrkräfte liegen, und ohne solche bleibt man natürlich auf halbem 
Wege stecken. 

Die einzelnen Zweige, die hier vertreten sein müssten, wären vor Allem die 
neuen zahlreichen photo-chemischen und photo-mechanischen Verfahren, die jedoch 
immerhin nicht so zahlreich sind, wie es den Anschein hat, auf Grund der Un- 
sitte, ein und dasselbe Verfahren mit den verschiedenartigsten Namen zu belegen, 
um etwas angeblich Neues auf den Markt zu bringen. Der Chemitypic, nament- 
lich der Hochätzung, als einem der wichtigsten Zukunftsverfahren, wäre besondere 
Aufmerksamkeit zu schenken. Dass Xylographie, Lithographie, besonders Chro- 
mographie, und die Kupferstechkunst, namentlich die Radirung, Beachtung finden 
müssten, ist leicht begreiflich. Wir können, wie bereits erwähnt wurde, selbst- 
verständlich nur Grundzüge geben und maßen uns keineswegs an, hier einen 
fertigen Plan zu bringen. Zum Entwerfen eines solchen, nach welchem 
zu handeln wäre, gehört ein gemeinschaftliches Wirken Vieler. 
Jedenfalls müssen sowohl künstlerische Capacitäten als fachkundige Praktiker aus 
den einzelnen Zweigen gehört werden. Das beste Mittel zu einem Zusammen- 
wirken aller dabei Interessirten würde ein Verein von Angehörigen der 
graphischen Künste und Gewerbe im weitesten Sinne bilden, dessen 
Zustandekommen deshalb nicht verschoben werden darf. Wir werden in dem 
folgenden, letzten, Abschnitt hierauf zurückkommen. 

Wir gehen nun zu dem Schlussstein des Wirkens der Academie über: dem 
Unterricht in dem Zeichnen für graphische Zwecke, der jedoch 
ebensowohl, vielleicht noch richtiger, als Grundstein für die ganze Anstalt hätte 
bezeichnet werden können. 

Bereits oben wurde betont, dass Leipzig kein eigentliches Künstlerheim sei. 
Hierin liegt allerdings ein Erschwernis, jedoch keine Unmöglichkeit, in den zeich- 
nenden Künsten eine der graphischen Großstadt angemessene und unbedingt 
nöthige Stütze zu schaffen. Zwar hat die hiesige Kunstacademie in jüngerer Zeit 
einen anerkennenswerthen Anlauf genommen, um den graphischen Anforderungen 
gerecht zu werden, und auch die Direction des Gewerbemuseums ließ es sich an- 
gelegen sein, besonders den Buchbindern durch Lieferung von Einbandszeichnungen 
zu Hülfe zu kommen, doch genügten diese Schritte nicht, um den Anforderungen 
Leipzigs und des ganzen Buchgewerbes abzuhelfen. Hierzu ist ein ganz entschie- 
denes Vorgehen nothwendig. 

Trotz des massenhaften Umfangs der heutigen Illustration stehen wir noch 



— 29 — 

lange nicht auf dem Höhepunkt nach Quantität und Qualität. Die neuen Ver- 
fahren haben ungeahnte Aussichten eröffnet. Die Hochätzung lässt eine Schnell- 
illustration zu, man möchte fast sagen eine »Illustrations-Stenographie«, die un- 
möglich ohne umwälzende Folgen bleiben kann. Durch sie sind wir an die Grenze 
eines neuen Gebietes, des .der illustrirten Tageblätter, gedrängt. Nachdem es 
möglich geworden ist, eine Hochdruck-Illustration innerhalb eines halben Tages 
fertig zu stellen, ist der Gedanke Jedem nahe gelegt, die Tagesgeschichte, im 
wörtlichen Sinne genommen, nun auch zu illustriren. Kleine Skizzen, Schlachten- 
pläne, Landkarten, Witterungskarten und dgl. haben sich schon als Sturmvögel 
in den Tagesblättern erblicken lassen. 

Hier zeigt sich nun nicht nur für das Gewerbe, sondern auch für. das künst- 
lerische Talent die Aussicht auf eine reiche Thätigkeit. So gut wie mancher 
angesehene Schriftsteller einen nur mittelmäßigen Journalisten abgeben würde und 
wie umgekehrt ein vortrefflicher Journalist möglicherweise ein sehr unzweckmäßiges 
Buch schreiben würde, so verhält es sich in mancher Beziehung mit den Zeichnern 
und Malern. Viele Maler ersten Ranges würden nicht verstehen, praktisch für 
den Illustrationsdruck zu zeichnen ; es gehört hierzu ein eigenartiges Talent, eine 
besondere Ausbildung, ein inniges Vertrautsein mit dem äußeren Wesen des 
Buches und dessen Herstellung, schließlich eine große Selbstbeherrschung und 
Unterordnung des Könnens unter das Zweckmäßige, die nicht Eigenschaften eines 
jeden Künstlers sind. Den Beweis hierfür geben uns Frankreich und England. 
Frankreich weist eine Reihe genialer und vortrefflicher Illustratoren auf, die fast 
alle nicht als Maler auftraten, oder, wenn sie es thaten, gewöhnlich nicht allein 
kein Glück, sondern im Gegentheil theilweise Fiasco gemacht haben. Die Hör. 
Vernet sind dort, wie in Deutschland die Ad. Menzel, seltene Ausnahmen. Eng- 
land, das doch sonst nicht gerade seine Hauptforce in den bildenden Künsten hat, 
besitzt eine Reihe von unübertroffenen Zeitungsillustratoren, deren Namen als 
Maler gar nicht genannt werden. 

Auf diesem Felde liegt, sollten wir meinen, eine würdige Aufgabe für eine 
graphische Academie. Gerade in Leipzig muss auf die Entfaltung der Illustra- 
tionskunst ein besonderes Gewicht gelegt werden. Ob sich eine solche künst- 
lerische Ausbildung mit der hiesigen Maler- und Bildhauer-Academie in zweck- 
dienlicher Weise vereinigen ließe, was ja am nächsten liegen und auch die Kosten 
verringern würde, oder ob die graphischen Zeichenkünste von derselben besser 
gänzlich losgelöst und der graphischen Academie überwiesen würden — dies zu 
entscheiden ist nicht unsere Aufgabe. Was jedoch geschieht, darf nichts Halbes, 
sondern muss etwas Ganzes sein, oder der Grund ist wenigstens vom Beginn ab 
so zu legen, dass ein Ganzes sich darauf aufbauen lässt. 

Wir glauben nicht, dass wir einem müßigen Phantasiespiel nachgehen, indem 
wir ein sehr ausgedehntes, fast unermessliches Feld für die graphischen Künste 
eröffnet sehen. Ein endgültiges Urtheil jedoch über den Umfang der Revolution, 
welche das Sonnenlicht und die Chemie in der Druckkunst verursachen werden, 
wird wohl kaum Jemand jetzt schon abgeben können, aber Das, was nach mensch- 
licher Berechnung in nicht gar zu langer Zeit kommen wird, darf Leipzig, will es 
den Namen »Metropole der Druckkunst in Deutschlandv mit dem bisherigen Rechte 
behaupten, nicht unvorbereitet finden! 



lY^ Das Ausstellungswesen in Leipzig und ein 
Centralverein für das Buchgewerbe. 

Ein wesentliches Förderungsmittel sowohl der Bildung des Geschmackes als 
der Erweiterung des geschäftlichen Verkehrs bilden die Ausstellungen. 

Merkwürdigerweise hat Leipzig, welches so viele der Eigenschaften besitzt, 
die es zu einem günstigen Mittelpunkte der Fachausstellungen machen würden, 
sich — schwerlich zu seinem Vortheil — bisher diesem wichtigen Moment der 
Belebung des Verkehrs gegenüber außerordentlich kühl verhalten, während man 
in Berlin diese Aufgabe mit der den Bewohnern der Reichshauptstadt, wenn sie 
sich erst für eine Sache erwärmt haben, innewohnenden Energie angegriffen hat. 

Der Plan einer in Leipzig abzuhaltenden »Internationalen Ausstellung des 
Buchgewerbes«, der überall außerhalb Leipzigs das allgemeinste Interesse erregte 
und eine sehr starke Betheiligung versprach, musste, nachdem schließlich die 
finanzielle Lage gesichert war, doch aufgegeben werden, weil die städtischen 
Autoritäten nach längerem Schwanken den Plan eines stehenden Ausstellungs- 
gebäudes fallen ließen. 

Zu den großen Weltausstellungen verhielt sich der Börsenverein der deutschen 
Buchhändler, der Hauptvertreter des deutschen Buchgewerbes, passiv. Man ging 
in dessen maßgebenden Kreisen von dem Standpunkte aus, dass der Verleger, 
weil kein Fabrikant, nicht ausstellen dürfe. Gewiss mit großem Unrecht, denn 
weder der Drucker, der Papierhändler, der Farbefabrikant, der Schriftgießer, noch 
der Holzschneider ist der Fabrikant eines Buches, sondern derjenige, der die 
Thätigkeit der Genannten zu einem Ziele vereinigt und somit das Buch her- 
stellt; wollte man demnach nicht den Verleger als Fabrikant gelten lassen, so 
müsste man schließlich den Buchbinder, der die Bogen durch Heften oder Binden 
zu einem Buch vereinigt, als dessen Hersteller betrachten. Die Ausstellungs- 
directionen theilten, in freierer Auffassung, diese Ansicht nicht, und der Verleger 
wurde überall gern zugelassen; der deutsche Buchhandel und das deutsche gra- 
phische Gewerbe waren aber nie genügend vertreten. Nur für die Philadelphia- 
Ausstellung gelang es einem kleinen Kreis Leipziger Vorsteher verschiedenartiger 
graphischer Geschäfte, eine Collectiv-Ausstellung des gesammten deutschen gra- 
phischen Gewerbes zuwege zu bringen, die wenigstens einigermaßen den Stand 
derselben beurtheilen ließ. 

Der »Börsenverein der deutschen Buchhändler« hat zwar seit einer langen 
Reihe von Jahren in der Ostermesse eine Ausstellung in dem kleinen Saale seiner 



— 31 — 

Börse veranstaltet. Dieselbe war jedoch nicht nach einem festen Plane angelegt, 
litt sehr unter Raummangel und dauerte nur wenige Tage. In den letzten Jahren 
hat man versucht, etwas mehr System in die Sache zu bringen und den Gedan- 
ken, die Ostermessausstellung zu einer Mustersammlung der Production eines Jahres 
zu gestalten, einige Schritte näher zu kommen, auch hatte man das Ausland auf- 
gefordert, sich planmäßig dabei zu betheiligen. Dem Mangel an Raum wurde in 
diesem Jahre durch die Verlegung der Ausstellung von der Buchhändlerbörse 
nach dem Krystallpalaste abgeholfen und damit auch eine etwas längere Dauer 
derselben ermöglicht. An Stelle des bisher vermissten einfachen orientirenden 
Führers erhielt man in diesem Jahre ein CoUectiv-Prachtwerk und Probebuch einer 
großen Anzahl von deutschen Verlegern und graphischen Instituten, welches ein 
fast vollständiges Bild von dem hohen Stand der deutschen Verlagsthätigkeit und 
des deutschen Accidenzdruckes gewährt, das selbst im Auslande Staunen er- 
regt hat. 

Hiermit sind also wesentliche Schritte nach vorwärts gethan. Ist die Durch- 
führung des Planes auch bei weitem nicht zur Reife gelangt, so steht doch nicht 
zu bezweifeln, dass man die rechten Bahnen finden wird, um zu einem, sich rasch 
entwickelnden, den Geschmack bildenden und die Kenntnisse erweiternden Institut 
zu gelangen, und dass die Leipziger Ausstellungen auch als Mittel zur Anbahnung 
von Geschäftsverbindungen und zur Eröffnung von Absatzwegen dienen werden, 
und diese sind es, deren die Erzeugnisse des deutschen Buchgewerbes noch 
mehr bedürfen. Diese Vortheile sollen zwar der ganzen deutschen Production 
zu Gute kommen, davon fällt aber von selbst ein wesentlicher Theil auf Leipzig, 
und zwar ein um so größerer, je mehr es sich als in allen Branchen concurrenz- 
fahig zeigt. Außerdem hat Leipzig einen besonderen Vorzug, indem es nicht 
allein Productions-, sondern auch Vermittelungsort ist, wodurch sein Commissions- 
wesen, seine Buchdruckereien, Schriftgießereien, Buchbindereien und Maschinen- 
bauanstalten gewinnen ; denn fast jeder Fremde, der diese Ausstellungen besucht, 
ist ein Consument, nicht ein Vergnügungsreisender. Die Berücksichtigung der 
Pflicht gegen das Ganze und die Wahrung des eigenen Interesses gehen somit hier 
vollkommen Hand in Hand mit einander, weshalb auch erwartet werden muss, 
dass das Leipziger Buchgewerbe energisch die Bestrebungen derjenigen Männer 
unterstützen wird, welche die schwere Arbeit auf sich genommen haben, die 
jährlichen Ausstellungen planmäßig durchzuführen. Höchst zweckmäßig würde 
es gewiss sein, wenn diese Ausstellungen stets, wenigstens für die Zeit von 
Cantate bis Michaeli den Charakter der Permanenz erhielten, was jedoch erst 
möglich werden wird, wenn ihnen ein bleibendes Heim durch den Börsen-Neubau 
geschaffen worden ist. 

Doch nicht allein diesen Ausstellungen hätte Leipzig als Sitz des Buchge- 
werbes seine Aufmerksamkeit zu schenken, es muss auch als Mittel- und Sammel- 
punkt für die Beschickung der internationalen Ausstellungen an anderen Orten 
dienen. Wenn Deutschland auf diesen keine großen Lorbeeren gesammelt hat, 
so ist daran weniger seine Production, als seine mangelhafte Repräsentation Schuld ; 
denn es giebt keine Branche, in der Deutschland nicht Hervorragendes geleistet 
hätte. Die deutschen Prachtwerke messen sich, was Illustration und Druck be- 
trifft, mit den ausländischen; in dem Druck flir wissenschaftliche, namentlich 
linguistische Zwecke steht es allen wenigstens ebenbürtig da und arbeitet billiger. 



— 32 — 

Im Accidenzfache nehmen sowohl die Buchdruckereien als die Schn'ftgießereien 
einen hohen Rang ein, und nur Amerika entwickelt in dieser Richtung eine gleiche 
Thätigkeit. Die deutsche Farbenfabrikation ist auf dem Weltmarkt heimisch ge- 
worden. In der Qiromolithographie hat Deutschland von je das Uebergewicht 
gehabt. Photographie und Lichtdruck, Hochätzung und Chemitypie finden die 
ausgedehnteste Verwendung. Die Buchdruckereien machten große Fortschritte, 
die Maschinenfabriken nahmen erfolgreich den Kampf mit dem Auslande auf. Es 
ist demnach gar kein Grund vorhanden, die Zusammenstellung mit dem Auslande 
zu scheuen. Kleinmüthige Aeußerungen, wie sie bei der Gelegenheit der pro- 
jectirten internationalen Ausstellung in Leipzig selbst seitens bedeutender Produ- 
centen fielen : »Deutschland sei erst in 5 — 6 Jahren reif, um mit Erfolg auf einer 
internationalen Ausstellung zu erscheinen«, sind ohne Halt ; denn das Ausland wird 
in der Zeit, welche man für Deutschland verlangt, um Reife zu erlangen, nicht 
müßig warten. Will Leipzig der Vorort sein, so muss von ihm verlangt werden, 
dass es sich vorkommenden Falls der allgemeinen Ausstellungs-Angelegenheiten 
annimmt; auch darf man sicherlich erwarten, dass die königliche Staatsregierung 
und die Stadtverwaltung dem Gewerbe hierin allen möglichen Vorschub leisten 
werden. Selbst für den Fall, dass Leipzig, wie es den Anschein hat, auf die 
Ehre und den Vortheil, die erste große internationale Fachausstellung des Buch- 
gewerbes veranstaltet zu haben, an die sich dann die Cantate-Ausstellungen als 
Jahressupplemente naturgemäß knüpfen würden, verzichtet und diese, allerdings 
auch die damit verbundene Mühe, einer anderen Stadt überlässt, so darf es sich 
doch nicht mit einem behaglichen Zuschauen begnügen, sondern ist gezwungen, 
seinen hervorragenden Platz in dem Buchgewerbe mit aller Kraft auf einer solchen 
Ausstellung zu behaupten. 

Um jedoch dies thun, überhaupt um schließlich die großen Aufgaben lösen 
zu können, die hier ins Auge gefasst werden, ist für die vielen Kräfte des Buch- 
gewerbes, die mitwirken müssen, ein Sammel- und Mittelpunkt nothwendig, von 
welchem aus mit Festigkeit und Besonnenheit auf das Ziel hin Schritt für Schritt 
vorwärts gegangen werden kann. Verlangt man aber die Betheiligung des Landes 
und der Stadt, um die höheren Interessen des Leipziger Buchgewerbes zu fördern, 
so muss die eigene Arbeit vorangegangen sein. Buchhändler, Buchdrucker, Schrift- 
gießer, Xylographen, die Betreiber aller sonstigen graphischen Kunstverfahren in der 
weitesten Bedeutung, Buchbinder, Maschinenfabrikanten, Papier- und Farbefabri- 
kanten Leipzigs, alle müssen sie mitwirken. Das beste Mittel aber, damit dieses 
Zusammenwirken ein systematisches und geregeltes werde, bildet, ganz abgesehen 
von dem Bestehen sonstiger Separatvereine, ein 

Leipziger Centralverein für das Buchgewerbe. 

Wenn auch Frankreich nicht eine buchhändlerische Organisation aufzuweisen 
hat, die sich nur entfernt mit dem Börsenverein der deutschen Buchhändler messen 
kann, so giebt uns doch Paris mit seinem »Cercle de la librairie, de Timprimerie, 
de la papeterie, du commerce de la musique et des estampes et des professions, 
qui concourent ä la publication des oeuvres de la lit^rature des sciences et des 
arts« ein Vorbild für einen Centralverein für das Buchgewerbe in Leipzig. 



— 33 — 

Der Cercle besteht seit 1847 und hat sich 1878 ein schönes Vereinshaus 
gebaut, in welchem er seine Ausstellungen abhält. Für die Exposition de 
gravures 1881 wurde ein prachtvoller Katalog gedruckt, der als Muster für die 
ähnlichen in Wien und Leipzig diente. Die Zahl der Mitglieder ist verhältnis- 
mäßig keine sehr große (317 i. J. 1880), aber sie umfasst die Elite der Pariser 
Buchgewerbe und vereinigt die Kräfte, die im Stande sind, das allgemeine Interesse 
derselben zu fördern. Der Vorstand wirkt der Regierung gegenüber in demselben 
Sinn wie der Börsenverein der deutschen Buchhändler, nur dass letzterer sich nicht 
die Aufgabe stellt, welche der Cercle als eine wesentliche betrachtet: den Buch- 
handel und die graphischen Künste auf den Weltausstellungen zu repräsentiren. 
Diese Aufgabe hat der Cercle auch stets in vortrefflichster Weise gelöst, energisch 
unterstützt durch die französische Regierung, welche von jeher eine große Für- 
sorge für das Buchgewerbe gezeigt hat, selbst wenn sie die Presse streng über- 
wachte. Durch diese Vereinigung Aller für die Erreichung eines Ziels entsteht auf 
den Ausstellungen im Gegensatz zu dem Virtuosenthum Einzelner, welches sich 
auf Kosten der Uebrigen mit allen Mitteln geltend zu machen sucht, ein vortreff- 
liches Ensemble, welchem die Franzosen auf den Ausstellungen hauptsächlich ihre 
großen Siege verdanken. 

Wurde auch die Gründung eines solchen Vereines hier erst zum Schlüsse er- 
wähnt, so suchen wir doch gerade in diesem den Ausgangspunkt für die ersten 
Schritte, die seitens des Gewerbes selbst stattfinden müssen, um zu den be- 
sprochenen Zielen: Museum, Lehrlingsfachschule, Academie und Ver- 
vollkommnung des Ausstellungswesens, nach und nach zu gelangen. 
Wenn aber fest darauf gerechnet wird, dass die königlich sächsische Regierung, 
die Vertretung des Landes und die Verwaltung der Stadt Leipzig in gerechter 
Würdigung der großen Vortheile, welche dem Staate sowohl als der Stadt aus 
Leipzigs Stellung in dem Buchgewerbe zufließen, den oben ausgeführten Be- 
strebungen warme Theilnahme entgegenbringen und auch deren nachhaltige um- 
fassende Förderung bethätigen werden, so ist gerade das Vorhandensein eines 
Centrums, mit dem die Rcgierungs— und die Stadtbehörden zweckmäßig verkehren 
können, von Wichtigkeit. Viele Zeichen deuten darauf hin, dass es nicht gut- 
gethan wäre, die Bildung eines solchen Centrums lange hinstehen zu lassen. Sollte 
die Ausführung der oben geschilderten Institutionen im Ganzen oder Einzelnen von 
anderer Seite überholt werden, so könnte in diesem Falle, wie so oft, wenn mit 
zweckmäßigen Neuerungen und Fortschritten zu lange gezögert wurde, das ver- 
hängnisvolle »Zu spät« seine Geltung behalten. 



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